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5. Juli 2013

World War Z: An Oral History of the Zombie War

Yeah, Trailer vor einem Kinofilm sind fast ein größeres Highlight als der Film selbst! Na mal sehen: Aha.... 0815 Liebeskomödie.... Uh, die Doku könnte vielleicht ganz interessant sein, aber bei DEM Publikum im Saal wird diese Werbung wohl wenig fruchten ....neargh, noch ein sinnloser Actionfilm und unzählige millionen Dollar verschwendet -_- .... Juhu, es ist eine weitere Comicbuchverfilmung von Marvel! Scheiß auf die millionen Dollar! ....Was kommt denn nun? Brad Pitt mit einem dünnen Schal mitten im Sommer. Macht der jetzt auf Hipster? Aha, es rennen viele Menschen vor irgendetwas weg. Brad läuft mit. Man sieht noch nicht wirklich irgendwas. Wird wohl ein Katastrophenfilm sein. Oder irgendein Monsterfilm. Jetzt sieht man auf einmal Schiffe auf dem Meer.... das erinnert mich doch an etwas. Katastrophen und Zuflucht auf dem Meer klingen verdammt vertraut. Nur woher? Oje, mir ahnt übles. Oh Gott, bitte lass die Katastrophe keine Zombieapokalypse sein.... NEEEEEIIIIIN, es sind wirklich Zombies! Bitte lass es keine Verfilmung von dem grandiosen Buch World War Z sein! .....AAAAAAHHHHH, es ist die Verfilmung!!! Rettet euch! Rettet euch solange ihr noch könnt!!!!!




Es ist wirklich zum Heulen, denn kein Buch bleibt von der schreibfaulen Hollywood-Industrie verschont. Ich weiß nicht einmal, wo ich anfangen soll rumzumeckern, so sehr hält sich meine Begeisterung über den kommenden Kinofilm in Grenzen. Aber ich sollte wohl nicht voreilig Schlüsse ziehen und rumraunzen. Vielleicht wird der Film ja sogar ganz gut, wenngleich er an die Buchvorlage niemals herankommen wird! Hmpf, immerhin steht der Trost über diesen Zwiespalt in Papierform nur 4 Meter weit weg in meinem Bücherregal und weckt Erinnerungen an bessere Zeiten, in welchen Drehbuchautor noch selbst Geschichten erfanden und ich statt für die Uni zu lernen, lieber auf dem Sofa gelegen bin und ein Buch gelesen habe. Und ein paar von euch kennen mich gut genug, um zu wissen, dass solch ein Ereignis eher selten stattfindet, und es sich dementsprechend um ein verdammt gutes Buch handeln muss! Also warum nicht zuerst über das Buch, auf welchem der Film basiert, schreiben, anstatt rumzumeckern? Worum es in World War Z des Autors Max Brooks (Sohn des berühmten Mel Brooks (Spaceballs)) geht, wisst ihr ja schon: die Zombieapokalypse bricht aus bzw. brach aus, denn alle in dem Buch geschilderten Ereignisse finden in der Vergangenheit der eigentlichen Geschichte statt. Aber gehen wir lieber nochmal auf Anfang.

In der Einleitung des Buches will ein engagierter UNO-Mitarbeiter einen Bericht über die sogenannten Z-Kriege verfassen, da viele Dokumente und Daten noch in Zusammenhang gebracht und katalogisiert werden müssen. Sein direkter Vorgesetzter erkennt jedoch die Leidenschaft, mit welcher dieser junge Büroangestellte zu Werke geht, und meint zu diesem, er könne doch gleich ein Buch aus Augenzeugenberichten schreiben, welches zugleich den umfassenden Abschlussbericht darstellt. Und schon macht sich nach nur 3 Seiten Einleitung unser Büroangestellter auf eine lange Reise um die Welt, um als Hobbyjournalist Menschen zu interviewen. Darum geht es in dem Buch: man liest selten die eigenen Worte der Hauptperson, falls man sie so überhaupt nennen kann, da sie ja nur einen zweckmäßigen Rahmen erstellt, um den Stil der Erzählung zu rechtfertigen, ...man liest nie die eigenen Worte dieser Hauptperson, sondern immer nur die verschiedenen Schilderungen von bereits in die Jahre gekommenen Leuten, welche die Zombieinvasion vor einigen Jahren überlebt haben. Alle paar Seiten wechselt also die Perspektive und der Standort. Daher auch der Untertitel "An Oral History...". Nach und nach berichten diese Personen nun, was sie so erlebt haben, und man erhält einen netten Überblick, wie die Leute in verschiedenen Erdteilen den Ausbruch der Invasion mitbekamen und um ihr Überleben kämpften, was uns auch schon zum interessantesten Aspekt des Buches bringt. Objektivitität versus Subjektivität.

Obwohl der Autor unglaubliche Raffinesse und Kreativität an den Tag legt über Faktoren, die bei so einer Apokalypse mitspielen, beschränkt er durch diesen losen Zusammenhang von vollkommen willkürlich ausgewählten fiktiven Interviewpartnern enorm das Verständnis über die Dinge, die überhaupt passieren. So erfährt man zum Beispiel nie, wie die Invasion genau ausgebrochen ist, oder was mit dem einen Staat passiert ist, obwohl zu Beginn noch genau dieser Staat erwähnt wurde. Es bleiben so viele Fragen offen, eben bedingt durch den Erzählstil des Buches. Der Leser bekommt trotz eines extrem süchtig machenden Stilmittels nie vollständige Antworten auf seine Fragen und bleibt nach Beendigung des Buches ein bisschen in der Luft hängen gelassen. Die Struktur mit den Interviews ist im doppelten Sinne aber genial von dem Autor gewählt. Er schafft dadurch nicht nur eine außergewöhnliche Rahmenhandlung, die es alleine schon wert ist, gelesen zu werden, sondern entzieht sich damit zugleich jeglicher Verantwortung, schlussendlich abschließende Antworten vorlegen zu müssen. BÄM, Geniestreich!

Auf der anderen Seite erfindet Max Brooks SO viele (ja, ich muss es großschreiben, da es wirklich viele sind) fiktive Personen und Geschichten zu ihnen, dass man ihm trotz der offenen Antworten am Ende nicht böse sein kann. Er verleiht jeder Person alleine schon durch die Art wie sie redet und gestikuliert so unglaublich viel Authentizität, Diversität und Einzigartigkeit, sodass man sich ihre Erlebnisse derart im Kopf verinnerlicht, als sei man selbst auf der Flucht vor den Zombies gewesen, als sei es eine echte Person, die hier ihre Geschichte erzählt und kein erfundener Charakter. Durch diese schiere Menge an Erzählfiguren, erhält man nun widersprüchlicherweise doch genug Objektivität über die Ereignisse, aber eben immer nur aus der Sicht eines Einzelnen und nie das gesamte Bild.

Hinzukommt, dass Brooks Faktoren berücksichtigt, an die Ottonormalverbraucher nicht mal denken würden. Eine "kurze" Liste:
  • Wie verhalten sich Tiere, speziell Hunde gegenüber Zombies? Kann man dies zu seinem Vorteil nützen? Jagen Zombies wirklich nur Menschen?
  • In welchen Regionen sind Untote überlebens- bzw. fortbewegungsfähig? Speziell in verschneiten Regionen oder im Meer.
  • Sind Inseln wirklich die beste Zufluchtsmöglichkeit?
  • Wie sehr am Arsch sind eigentlich Astronauten im Orbit?
  • Warum funktionieren biologische, chemische und nukleare Waffen nicht? Wie genau funktioniert die Anatomie eines Zombies und sein Stoffwechsel?
  • Welche Kampfstrategien können entwickelt werden? Welche politischen Maßnahmen sind erfolgreich? Entstehen vielleicht Grenzkonflikte zwischen bestimmten Staaten aufgrund von Flüchtlingsströmen?
  • Wie sieht die Zivilisation nach einer Zombieinvasion aus?
  • Welche Staaten behaupten sich? Wie entwickeln sie sich nachher weiter? Wird es neue Großmächte nach so einer Invasion geben?
  • Und zu guter Letzt: Warum bricht eigentlich Chaos bei so einer Invasion aus? Und bekommt man überhaupt wirklich ALLE Zombies wieder von der Erdoberfläche weg?
An manche von diesen Überlegungen habe ich persönlich noch nie gedacht, zum Beispiel dass sich Israel und Kuba hervorragend auf eine derartige Attacke von Untoten einstellen könnten. Brooks stellt diese Überlegungen nicht nur an, sondern versucht kritisch über sie nachzudenken und sie vernünftig durch logische Argumente zu erklären. Paart man diesen Umstand nun mit den liebevoll gestalteten, zahllosen Charakteren und dem ambitionierten Erzählstil, erhält man so am Ende ein Zombiebuch, was sich immens spannend, interessant und mitreißend, zugleich auch erschreckend realistisch, emotional und clever liest. Der Film kann an diese vielschichtige Tiefenstruktur des Buches einfach nicht herankommen, da es (tut mir leid, Brad Pitt) einfach keine Hauptfigur gibt, geschweige denn einen linearen Handlungsablauf. Das, was ich vom Trailer gesehen habe, zeigt keine Verfilmung der Vorlage, sondern einen Actionfilm mit Zombies, mehr oder weniger basierend auf der Vorlage. Aber naja, ob man am Ende trotz der offenen Aspekte befriedigt oder unbefriedigt den Kinosaal verlässt oder das Buch zuklappt, hängt halt stark davon ab, was man sich von einem Film bzw. einem Buch (oder generell einer Geschichte) erwartet. Das Buch bleibt auf jeden Fall jedem zu empfehlen, der sich für Science Fiction, Fantasy, Thriller, Zombies oder Endzeitszenarien begeistert.

santi

5. Februar 2013

World of Warcraft: Teufelskreis

Manchmal habe ich das Gefühl, das Schreiben verlernt zu haben. Alles ist fertiggeschrieben, aber einen Anfang für meinen Artikel habe ich immer noch keinen. Die Einfallslosigkeit plagt mich regelrecht. Peinigt meine Seele. Und aus meiner Verzweiflung leite ich diesen Blogeintrag einfach mit einer Abwandlung des ersten Liedes ein, was mir durch den Kopf geht.

In einem weitentfernten Land
Vor gar nicht allzu langer Zeit
War eine Zauberin sehr bekannt
Von der sprach alles weit und breit

Und diese Zauberin, die ich meine, nennt sich Jaina
Kleine, freche, schlaue Jaina Proudmoore
Jaina teleportiert sich durch ihre Welt
Zeigt uns das was ihr gefällt 

Wir treffen heute uns‘re Freundin Jaina Proudmoore
etc etc...

Ich weiß wirklich nicht, warum man mich auf die Menschheit loslässt. Aber halt! Was sagt ihr da? Euch kommt die Melodie dieses Liedes bekannt vor? Genau! Das ist eine Abwandlung von Biene Maja und hat mit dem Thema dieses Textes überhaupt nix zu tun! xD Und so manchem von euch wird der fiktive Charakter Jaina Proudmoore wohl ebenfalls ein Begriff sein. Aber für diejenigen, denen dieser Name unbekannt ist (nur wahre Warcraft-Geeks werden mit diesem Namen etwas anfangen können), eine schnelle Erklärung: Jaina Proudmoore ist eine mächtige, menschliche Zauberin in der fiktiven Welt Azeroth im Warcraft-Universum. Warcraft selbst ist ein Videospiel-Franchise der Firma Blizzard (die prominentesten Spiele(-serien) wären Warcraft, Diablo und Starcraft), zu welchem bereits eine Reihe von Büchern verfasst wurden, um den Fans mehr Hintergrundinformationen bieten zu können. Wie der Zufall nun so will, ist genau diese Zauberin die Hauptakteurin in einem dieser Bücher, World of Warcraft: Teufelskreis. Und ich muss sagen, ich habe schon lange nicht mehr so ein beschissenes Buch gelesen...




Die gesamte Geschichte von Warcraft mag ich jetzt nicht niederschreiben, aber für die, die sich damit nicht so gut auskennen, hier eine Zusammenfassung in Stichworten: Fiktive Welt Azeroth (so wie unsere Erde halt) - vorherrschende Rasse sind die Menschen - Orks kommen aus einer anderen Welt nach Azeroth - Krieg zwischen Menschen und Orks - Dämonen kommen nach Azeroth um es zu zerstören - gemeinsamer Feind: Menschen und Orks kämpfen gemeinsam gegen Dämonen - Dämonen werden besiegt.

Die Handlung des Buches beginnt rund 3 Jahre nach den Ereignissen von Warcraft 3: The frozen Throne. Menschen und Orks versuchen seit der Bezwingung der Dämonen der brennenden Legion in Frieden miteinander auf dem Kontinent Kalimdor zu leben. Der Friede ist aber trügerisch und nach und nach kommt es zu mehreren verbalen, und später auch zu gewalttätigeren Auseinandersetzungen der beiden Völker. Missmut und Neid schwächen das neue Völkerbündnis und der alte Rassenhass keimt langsam wieder auf. Oder steckt vielleicht doch eine Verschwörung dahinter?

Hier beginnt meine Kritik auch schon! Denn bei diesem Buch handelt es sich leider um eine 0815-Geschichte und wenn man schon einmal einen Fantasyroman bzw. Fantasythriller gelesen hat, weiß man von vorne bis hinten, was passieren wird. Was mir ebenfalls negativ aufgefallen ist, dass man unglaublich viel Hintergrundwissen benötigt, um die Geschichte und die Beziehungen der Charaktere zu einander zu verstehen. Zumindest das Echtzeitstrategiespiel Warcraft 3 gespielt zu haben, ist ein Muss, damit einem dieses Buch Spaß macht. Und selbst dann empfehle ich, zuerst das Buch Warcraft: Der letzte Wächter zu lesen, da in diesem viel mehr Informationen zu den Wächtern der Tirisfalen vorhanden ist als in diesem hier.

Der Stil des Textes selbst ist eigentlich ganz interessant. Zwar ist Jaina Proudmoore die eindeutige Heldin der Geschichte, aber jedes Kapitel wird aus der Perspektive einer anderen Person geschildert. Bei 24 Kapiteln verwendet der Autor sage und schreibe 16 verschiedene Perspektiven, wenn ich mich nicht verzählt habe. Dadurch kommt einem die Welt in dem Roman immens belebt vor, aber die Entwicklung und Darstellung der Hauptcharaktere leidet immens darunter, da diese nicht genügend Aufmerksamkeit und Zeit bekommen, um sich zu entfalten. Die Kürze des Buches (gerade einmal 300 Seiten) trägt leider dazu bei, dass die handelnden Personen noch mehr untergehen. So werden in einigen Kapitel neue Charaktere mit recht stereotypen Hintergrundgeschichten vorgestellt und später nie wieder erwähnt. Sie werden einfach fallen gelassen und dienten nur als Medium um für ds Verständnis des Lesers eine zusätzliche Szene einzubauen. Wie gesagt, der Stil ist interessant, aber in Anbetracht der Kürze des Buches eigentlich totaler Schwachsinn und zeugt von einer unglaublichen Faulheit seitens des Autors, eine Geschichte gut zu erzählen. Denn durch diesen permanenten Szenenwechsel behilft sich der Autor selbst, keine komplexe Story konstruieren zu müssen und wichtige Informationen in diesen einzelnen Szenen zu verpacken. Sehr geschickt, aber ich als Leser komme mir sehr meiner Zeit beraubt vor.

Auch tauchen stellenweise unglaubliche Logikfehler auf, bei welchen man sich wahrhaftig an die Stirn greifen mag. Zum Beispiel: *Spoileralarm* Angezettelt von einem Verräter der Orks kommt es zu einem kleinen kriegerischen Intermezzo zwischen Orks und Menschen. Thrall, der Kriegshäuptling der Orks, kommt dem Verräter auf die Spur, fliegt per Luftschiff zu der Schlacht, tötet den Verräter, entschuldigt sich beim Hauptmann der Menschen und die Orks ziehen wieder ab. BITTE WAS?! Da prügeln sich gerade 1000 Orks und Menschen miteinander, sind unglaublich Wut geladen und Blut durstig, Thrall taucht auf einmal auf, sagt "Sorry, unser Fehler. Wir zischen wieder ab.", und das war's dann?!?! *Spoilerende* Hm, kommt es nur mir so vor oder scheint diese ganze Szene nicht sehr durchdacht zu sein? Generell kommen die handelnden Personen viel zu schnell zu Schlussfolgerung, ohne eigentlich großartige Untersuchungen oder eine Suche nach Beweisen durchzuführen. Gepaart mit dem Verschleiß an Charakteren wirkt dieser Roman daher eher wie ein Fan-Fiction eines 15-Jährigen als wie ein in Auftrag gegebenes, professionell verfasstes Buch.

Apropos, noch ein Wort zum eigentlichen Buch, welches ebenfalls einige Mankos aufweist. Erstens gibt es unglaublich viele Rechtschreib-, Tipp- und Grammatikfehler. Wie geht das bitte? Der Übersetzer hat sich offenbar nicht eine Spur Mühe gemacht, sinngerecht zu übersetzen, und den Text durch die Google- oder Microsoft Word Übersetzungsmaschine laufen lassen. Die Verdeutschung mancher Namen ist unglaublich sinnfrei und erzeugt nur unnötige Verwirrungen und Hemmungen im Lesefluss. Warum man Jaina Proudmoore als Jaina Prachtmeer übersetzt hat, werde ich wohl nie durchschauen. Diese Entscheidung war ein eindeutiger Griff ins Klo. Zweitens wird meine vorige These des Fan Fiction ebenfalls durch das Buch bzw. den Schnitt des Textes bestätigt. Denn die Abstände zwischen Text und Seitenrand sind seltsam großzügig. Gerade einmal zwei Drittel der Fläche einer Seite sind bedruckt worden. Dies ist nicht nur Papierverschwendung (in englischen Bücher druckt man für gewöhnlich bis tief in die Buchfalte hinein, um Papier zu sparen), sondern führt mich auch zu der Erkenntnis, dass es sich gar nicht wirklich um 300 Seiten, sondern (wenn man das 2/3-Faktum berücksichtigt) um lediglich 200 Seiten handelt. Auf so wenige Seiten kann man nun mal keine komplexe Geschichte erzählen. Es wirkt einfach so, als ob der Verlag das Buch durch den speziellen Druck ein bisschen dicker aussehen lassen wollte. Und warum konnte man keine kleine Karte dem Buch beilegen? Ich habe zwar die ersten drei Warcraft-Bücher gelesen und Warcraft 3: Reign of Chaos und The frozen Throne gespielt, aber wie die geographische Beschaffenheit der Welt aussieht weiß ich immer noch nicht. Eine Karte wäre ganz nett gewesen.

Alles in allem bereue ich persönlich den Kauf des Buches nicht und trotz der vielen Negativpunkte, auch nicht, es gelesen zu haben. Es handelt sich hier lediglich um einen netten Ausflug in die Welt von Azeroth und man verpasst absolut NICHTS, sollte man diesen Titel hier nicht gelesen haben. Das Buch bringt die globale Hintergrundgeschichte des Franchise kaum voran (einzig die Rückkehr Aegwynns und die Neuentstehung der brennenden Klinge sind erwähnenswert), sondern beschreibt nur einen kurzen Auszug nach The frozen Throne, welcher keinen Einfluss auf irgendwas im Warcraft-Universum hat. Nach Beendigung des Buches wird der Leser feststellen, dass er eigentlich immer noch bei Null steht, genau wie zu Beginn des Buches. Dieser Roman ist für wahre Warcraft-Fans und Jugendliche empfehlenswert, andere Leute sollten hingegen auf jeden Fall die Finger davon lassen bzw. als Einstieg in die Buchserie sich einen anderen Warcraft-Roman aussuchen. Falls sich jemand doch für Teufelskreis entscheiden sollte, auf jeden Fall die englische Version nehmen!

santi

26. August 2012

Welcome to Hell

Bücher, sooo viele Bücher zum Lesen. Ihr habt ja keine Ahnung, wieviele von den Dingern ich über die Jahre gesammelt habe und nie wirklich aufgeschlagen habe. Da ich vor wenigen Tagen immer noch keinen neuen Laptop hatte (jetzt aber schon, YAY) und ich eines Nachts auch nicht einschlafen konnte, nahm ich eines dieser Buch zur Hand. Musste ja schließlich viel zum Lesen aufholen. Außerdem passte der Ort des Buches irgendwie zu meiner bevorstehenden Thailandreise. Obwohl, hoffentlich nicht...




Wie der Titel so schön verrät, war Colin Martins Aufenthalt in Tailand kein so erfreulicher. Aber ich fange lieber mal von vorne an. Colin Martin war ein irischer Schweißer und Geschäftsmann. Anfang der 90er hat er seine eigene kleine Firma aufgemacht, welche sich damit beschäftigte, Schweißer auszubilden und als Leihkräfte zu verleihen. Zuerst expandierte die Firma in europäische und später auch in asiatische Länder. Bei einem seiner geplanten Deals wurde er in Bangkok übers Ohr gehauen und um eine halbe Millionen Dollar erleichtert. Da er selbst nun pleite war, seine Kollegen und Angestellten kein Vertrauen mehr zu ihm hatten und seine Frau ihn verlassen hat, begab er sich auf eine zweijährige Suche quer durch Thailand, um die Männer zu finden, die ihn ausgetrickst hatten. Erstaunlicherweise findet er diese beiden Männer sogar und möchte Gerechtigkeit walten lassen... und natürlich sein Geld zurückhaben. Durch korrupte Polizisten geschieht aber genau das Gegenteil. Bei der Festnahme des zweiten Schurken kommt es nämlich zu einem Faustkampf mit dessen Bodyguard, welcher zwar von Colin überwältigt werden, aber auch fliehen konnte. Auf einmal gilt dieser Bodyguard nicht nur als vermisst, sondern auch als tot. Einer der beiden Betrüger bezichtigt Colin nun als mutmaßlichen Mörder seines Bodyguards. Natürlich verteidigt Colin seine Unschuld, aber wird durch stundenlange Folter der Polizei weichgekocht und zu einem Geständnis gezwungen. Daraufhin landet er in einem der brutalsten, gefährlichsten, unhygienischsten und menschenunwürdigsten Gefängnissen der Welt. Im restlichen Buch über schreibt Colin, wie das Leben im Gefängnis so war und wie er vergeblich versuchte, eine faire Verhandlung vor Gericht zu erhalten.

Das erschütternde an Welcome to Hell ist, dass es auf wahren Erlebnissen von Colin Martin basiert und dieser autobiografisch und auschließlich aus der Ich-Perspektive berichtet. Und glaubt mir, es ist nicht einfach, sich selbst zu überwinden und das, was dieser Mann niederschrieb, zu akzeptieren. Denn nicht nur die Ungerechtigkeit und die brutale Folter der Polizei, sondern auch die Lebensverhältnisse in den Haftanstalten sind unglaublich. Man mag es fast nicht wahrhaben, dass es solche Orte auf der Welt gibt und dass andere Menschen in der Lage sind, anderen so etwas anzutun. Colin Martin ertrug es 8 harte Jahre lang und entschloss sich schlussendlich, seine Geschichte niederzuschreiben. Ihm war, so schreibt er gegen Ende des Buches, durchaus bewusst, dass viele Leute, die sein Buch lesen werden, ihm wahrscheinlich keinen Glauben schenken werden, da sie die beschriebenen Grausamkeiten nicht wahrhaben wollen oder vielleicht gar nicht verstehen. Um seine Geschichte bei Skeptikern zu untermauern, fügte er die wenigen Fotos, die ihm während seines Gefängnisaufentaltes erlaubt wurden, hinzu. Und sein Schreibstil wirkt nun wirklich nicht wie der eines professionellen Schriftstellers. Er beschreibt in seinen eigenen Worten, was er gesehen und erlebt hat.

Zu Beginn des Buches wirkt alles immens surreal, da Colin ja auf zwei Betrüger, die ihre Betrügereien im großen Stil organisieren und es hauptsächlich auf Firmen und Geschäftsmänner abgesehen haben, hereinfällt. Teilweise ist einem während dem Lesen unbegreiflich, wie Colin Martin auf die Ausreden und die Tricks dieser Betrüger so naiv hereinfallen konnte. Dann sinnierte ich kurz darüber und kam zu dem Entschluss, dass dies doch vielen Leuten leicht passieren hätte können. Er glaubte halt an das Gute im Menschen und dachte nicht darüber nach, dass man ihn so verarschen würde. Sein Drang nach Gerechtigkeit wurde dann unbarmherzig vom thailändischen Justizsystem, welches im Buch von vorne bis hinten als korrupt rüberkommt, niedergeknüppelt und er wurde für seine Gutmütigkeit bestraft. Einige werden sogar einen ganz neuen Blick auf die Länder Südostasiens bekommen.

Ich weiß nicht wirklich, was ich mit diesem Artikel erreichen will. Wahrscheinlich will ich nur, dass so viele Leute wie möglich von dem, was Colin Martin zugestoßen ist, erfahren. Persönlich finde ich, dass er sich doch sehr naiv und sogar ein bisschen dümmlich bzw. fahrlässig verhalten hat. Auf der anderen Seite ist es durchaus menschlich, Fehler zu machen. Dass er aber so bitter in seiner Sehnsucht nach Fairness enttäuscht wird, ist einfach unbegreiflich. Das Buch liest sich sehr schnell und obwohl das Beschriebene in einem einen Kotzreiz verursachen kann, ist es doch immens mitreißend. Ob es taktisch klug war, genau dieses Buch vor meinem Thailandaufenthalt zu lesen, ist natürlich fraglich. xD Ich empfehle es trotz des schwermütigen Inhaltes auf jeden Fall weiter und wünsche Colin für sein restliches Leben alles Gute!

santi

13. August 2012

Magic: The Gathering - Die Asche der Sonne

Kaum ist mein Laptop im Eimer und dementsprechend meine Zeit vor dem Internet drastisch dezimiert worden, beginne ich doch tatsächlich auf einmal Bücher zu lesen. Und rattfratz *hihihi erfolgreich den Namen eines Pokemons eingebaut* ist auch schon das erste fertiggelesen. Zuerst  fand ich den Eifer, mit welchem ich dieses Buch las, sehr absurd. Denn normalerweise verhielt es sich bei mir stets so, dass Bücher in meiner Nähe die gleiche Reaktion in mir hervorhoben wie das Tageslicht oder Knoblauch bei Vampiren. Dementsprechend war meine Angst auch groß, nach den ersten paar Seiten zu schmelzen, und trug daher eine Sonnenbrille während dem Lesen. Just in Case, versteht sich. Nachdem ich mich aber weder verflüssigte, verdampfte oder in Flammen aufging, und mein Laptop immer noch nicht durch ein magisches Wunder von selbst funktionieren wollte, las ich weiter und weiter. Ach, was man nicht alles tut, wenn einem langweilig ist... Kaum blätterte ich die letzte Seite um, überkam mich auf einmal ein seltsames Gefühl. "Schock-schwere-Not, ich verbrenne doch!!! Diese Bastarde aus der Buchhandlung logen mich an!!! ...oh, ich verbrenne doch nicht. Dann kann ich den ausgeliehenen Feuerlöscher ja wieder zum Hauswart zurückbringen. Dumdidum..."  Das Gefühl, welches mich plötzlich befiel, war Traurigkeit, denn das Buch und generell das Lesen an sich machte mir sogar sehr viel Spaß! Alles deine Schuld, Lappi!!! Warum musstest du auch sterben!




Aber eigentlich hätte es mich nicht schockieren dürfen, dass mir ausgerechnet DIESES Buch so gut gefiel. Denn erstens liebe ich Science Fiction und Fantasy Romane und zweitens ist es ausgerechnet auch noch aus dem Magic: The Gathering-Universum! Nur Shiva weiß (immer "Gott" zu schreiben wird irgendwann öde), wieviele Stunden meines Lebens für dieses grandiose Kartenspiel, auf welchem dieses Buch basiert, draufgegangen sind und wie sehr es mich immer noch begeistert. Naja, sagen wir mal lieber: "basieren sollte". Denn abgesehen von dem versprechenden Titel hat der Inhalt nicht sonderlich viel mit dem Kartenspiel zu tun. Außer, dass ein paar Fantasiewesen wie Goblins und Minotauren auftauchen, gibt es keinerlei Bezug auf rundenbasierte Strategiekämpfe oder den Ideologien der Fünffaltigkeit der Farben Rot, Grün, Blau, Weiß und Schwarz. Hinsichtlich dieser Erkenntnis war ich doch ein wenig enttäuscht, aber die fesselnd erzählte Story bannte mich dennoch an dieses literarische Werk.

Der Inhalt ist folgender: Ayesh ist ein Mensch und zugleich eine Überlebende einer untergegangenen, aber sehr hoch gebildeten und fortschrittlichen Zivilisation. Als Letzte ihres Volkes bereist sie nun die Welt, um den Menschen in Märchenerzählungen und Liedern von ihrer zerstörten Heimat zu berichten, damit diese in den Herzen der Hörer weiterexistiert und doch nicht ganz von dieser Welt verschwindet. Die Menschen langweilt ihre Geschichte aber zusehens und Ayesh's Frust treibt sie schließlich soweit, ihr eigenes Leben einfach beenden zu wollen. Aber nicht, ohne davor ein paar Goblins mit in den Tod zu reißen! Diese sind nämlich für den Untergang ihres Zuhauses hauptverantwortlich. Also begibt sie sich alleine auf den sicheren Pfad ins Jenseits.

Bis hierhin ist das Buch total langweilig und ich plagte mich die ersten fünfzig Seiten, aber ab hier nimmt die Geschichte endlich an Fahrt auf und das sogar sehr rapide. Denn Ayesh wird, in einer Steinschlucht auf die Goblins wartend, ur plötzlich von Minotauren entführt. Wieso, weswegen, warum und weshalb bleiben ihr noch sehr lange unbeantwortet. Ich weiß ja nicht, aber für mich hört sich das ordentlich pervers an, wenn eine grazile, allein reisende Maid von einem Dutzend 2,5 Meter großer, muskulöser Minotauren entführt wird. Verdammtes, Pornografie infiziertes Internet!!!
Wie dem auch sei, eines weiß Ayesh aber jetzt schon: ihre Entführung hatte sicherlich nicht sie persönlich als Ziel. Nein, dies war eher ein dummer Zufall. Aber ihre erzwungene Anwesenheit in den Heimatregionen der Minotauren löst neue Konflikte, Provokationen, interne politische Machtkämpfe und vielleicht sogar einen gewaltsamen Krieg aus. Und ja, darum geht es in dem Buch: das Leben der Minotauren. Leider bleibt es dies auch, ein stinknormales Buch. Denn von einem Meisterwerk ist es weit entfernt. Denn die Politik wird nicht gerade komplex und facettenreich konstruiert.

Zum Beispiel gibt es 3 politische bzw. ideologische Lager: 
1. Die konservativen Minotauren, welche ihre Traditionen, ihre Herkunft und ihre Hierarchien sehr verehren und behüten wollen. Diese wollen eher für sich bleiben und töten alles, was ihnen zu nahe kommt und gegen ihre Regeln verstoßen sollte.
2. Die Minotauren, die an Wissenschaft und am Frieden aller Völker der Erde interessiert sind. Wissenschaft birgt aber auch die Gefahr, dass man bestehende Methoden und Systeme anzweifeln muss, damit Fortschritt und dementsprechend eine "bessere" Welt entstehen kann.
3. Die Neutralen ... ja, über die wird nicht sonderlich viel erzählt.

Nun gut, ihr könnt euch den Rest wahrscheinlich selbst denken. Zwar bietet Die Asche der Sonne keine Tiefen Charaktere oder mehr als diese schnöde Schwarz-Weiß-Ansichten, aber wartet dennoch mit beeindruckend vielen Überraschungen auf und immens gut geschilderten Umgebungen. Der Autor Hanovi Braddock (ist nur sein Pseudonym) versteht es förmlich, die Orte und die Landschaften, sowie die Gestik und Mimik der Protagonisten in die Köpfe der Leser zu projezieren. Man weiß sozusagen immer, was gerade Sache ist.

Interessant ist auch die Aufteilung der Kapitel. So wird nicht nur sehr oft die Person, aus dessen Sicht man das aktuelle Geschehnis betrachtet, gewechselt, sondern auch enorme Zeitsprünge unternommen. Beendet man ein Kapitel und will das nächste anfangen, sieht man sich nicht nur mit einer anderen "Hauptperson" konfrontiert, sondern auch mit einem Riss im Zeitstrang. Ein weiteres Beispiel:
Sagen wir mal, in Kapitel *keine Ahnung* 18 gibt es eine Kriegserklärung von Person A an Person B. Dies ist aber nur ein Beispiel und findet im Buch nicht wirklich 1-zu-1 so statt. In Kapitel 19 schlendert nun Person C alleine herum und geht in einem inneren Monolog nochmal alles durch, was in der letzten Woche seit Kriegsbeginn geschehen ist. Zwischen den beiden Kapiteln liegen also rund eine Woche. Nun, dieser Stil hat Vor- und Nachteile. Ein eindeutiger Vorteil ist, dass die Geschichte dadurch wesentlich schneller voranschreiten kann und überflüssige Dialoge beiseitegeschafft werden. Ein Nachteil wäre, dass eben dadurch auch wesentliche Informationen verlorengehen können und der Leser sich viele, besonders die kleinen Details selber zusammenreimen muss. Vielleicht ist das aber auch die Absicht des Autors, dass er eben dem Leser selber noch Raum für eigene Interpretationen geben will, anstatt ihm wie bei einem Kleinkind alles vorkauen zu müssen.

Am Ende ist man scheinbar keine Erfahrung reifer geworden, da die meisten Charaktere sich stur in ihren Ansichten und Traditionen suhlen. Einzig das in meinen Augen überaus intelligente Ende bietet eine minimal sinneswandelnde Moral, über welche man nach Beendigung des Buches zumindest kurz nachdenken kann. Aber genau wie Ayesh ihre alte Heimat nicht neuauferstehen lassen kann, so will der Autor auch nicht moralpredigend sein, sondern eben genau wie Ayesh lediglich eine Geschichte erzählen...
...und ich werde wieder meine Magickarten herausholen, *singend* damdidam....

santi


PS:
Jakob, auf deinem Laptop schreibt es sich schei*e. -_-

25. Mai 2012

Atlas der abgelegenen Inseln

Videospiele, Kinofilme und Superhelden. Der Themenzylkus meines Blog ist eher wenig variantenreich und nach meinem Superheldenlauf werde ich meine nächsten paar Artikel etwas kürzer gestalten. Daher komme ich jetzt mal, um Monthy Python zu zitieren, zu etwas vollkommen anderem. Nämlich einem Buch! Und nicht irgendein Buch, sondern ein Atlas. Nicht nur irgendein Atlas, sondern ein Atlas über Inseln. Nicht nur irgendwelche Inseln, sondern es geht um die 50 entlegensten Inseln der Welt, "von welchen man wahrscheinlich noch nie hörte und auf denen man wohl auch nie in seinem Leben sein wird".




Was ist nun so besonders an dem Buch der Autorin Judith Schalansky, fragt ihr euch? Nun, first things first. Jeder der beschriebenen Inseln werden zwei ganze Seiten gewidmet. Auf der rechten Seite sieht man die Inseln aus der Vogelperspektive. Hierbei wird unten stets immer der gleiche Maßstab angegeben, sodass man sie leicht miteinander vergleichen kann. Auf der linken Seite stehen vorerst nur gewöhnliche Daten. Bewohner, genaue Lokation, Staatenzugehörgkeit und Größe in km². Gleich darunter findet man den zweitinteressantesten Aspekt des Buches, eine Längenangabe, wie weit die Insel sich von drei anderen Landmassen, seien es nun Kontinente oder andere kleine Inseln, weg befindet. Die Idee, solche Angaben überhaupt zu einzubauen, finde ich überaus kreativ und hilfreich, da man nun halbwegs abschätzen kann, wie vereinsamt die arme Insel dort aus dem Meer ragt. Leider sind diese drei Länder scheinbar vollkommen willkürlich von der Autorin selektiert worden, da die abgelegenen Eiländer oft näher zueinander liegen als zu den im Buch angegeben Ländereien. Dies zerstört nicht nur die geographisch stützende Hilfe für den Leser, sondern erzeugt unnötig weite Entfernungen, welche eigentlich eh niemanden interessieren. Warum macht man sowas? Die drei nähesten Ortschaften hätten doch ausgereicht.

Wie dem auch sei, unter dieser Angabe findet sich eine Zeitlinie. Auf dieser befinden sich die wichtigsten temporalen Daten der Insel, wie zum Beispiel Entdeckung, erste Betretung, erster Eintrag in eine Landkarte, Zeitpunkt als Kriegsschauplatz, erste Besiedelung, ob und wann ein Schiff gestrandet ist, et cetera. Diese Daten werden nun in das wohl prägenste Merkmal des Buches integriert. Nämlich der Beschreibung der Insel. Unter den bereits erwähnten Angaben auf der linken Buchseite findet sich in der unteren Hälfte eine Kurzgeschichte zu jeder Insel, in welcher diese und ihre Geschichte näher geschildert werden. Die Geschichten weisen dabei zu Beginn einen hohen Grad an Abwechslung und, trotz ihrer Kürze, einen enorme Intensität auf, sodass man immer weiterblättern möchte und stets eine weitere Insel "entdecken" will. Denn so kommt sich der Leser nämlich vor. Wie ein Entdecker! Die Variation der Erzählstile reicht dabei von bloßer Kamerafahrt über die Insel, über die Perspektive eines herumfliegenden Vogels, bis hin zu der Schilderung von Personen. Die Autorin versteht es, die Leser auf diese Inseln mitzunehmen und sich kurz wie Robinson Crusoe zu fühlen. Hier folgt trotzdem wieder ein "leider", denn bei 50 Inseln wiederholen sich die Grundrisse dieser Kurzgeschichten allmählich und es kommt bedingte Langeweile auf. Daher empfiehle ich, diesen Atlas nicht in einem durchzulesen, sondern Stück für Stück immer nur einen Ozean pro alle zwei Wochen abzuarbeiten.

Ein literarisches Meisterwerk ist der Atlas der abgelegenen Inseln nun nicht geworden, aber die Idee, ein Nachschlagewerk dieser Art mit solchen Kurzgeschichten zu versehen, ist immens zu befürworten und verleiht dem Buch etwas Einzigartiges. Wer gerade Lust hat, aus dem tristen Wohnzimmeralltag auszubrechen, dafür aber weder Geld, noch Zeit opfern will, kann sich diesen Atlas gerne für eine halbe Stunde zu Gemüte führen und sich von der Autorin auf einen kleinen Kurzurlaub in die Fantasie mitnehmen lassen. Denn dies zu tun versteht sie allemal.

santi

11. Februar 2012

Bahnwärter Thiel

Eigentlich hatte ich ein Experiment geplant. Nämlich den Film Tree of Life zusammen mit dem Buch Bahnwärter Thiel in einem Review zu kombinieren und zu vergleichen. Beide, Regisseur Terrence Malick und Autor Gerhart Hauptmann, bedienen sich in ihren Werken nämlich exzessiv dem Stilmittel Bildersprache. Da aber ein so langer Text meine LeserInnen höchstwahrscheinlich langweilen würde und mir komparatistische Arbeiten wohl eher weniger liegen, entschloss ich mich dagegen und zaubere einfach ein zweites Review aus dem Ärmel. Wenn sich jemand nicht für Bücher interessieren sollte, der kann jetzt getrost das Browserfenster schließen und gehen. "Tschüss Leute!!!" *aufsteh und den Raum verlass*





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Haha nein, nur Spaß! Zwar ist allgemein bekannt, dass ich nicht der größte Bücherliebhaber bin, aber wenn die Geschichte gut und einnehmend erzählt ist, sowie das Buch mich nicht mit einer krotesken Anzahl an Seiten demotiviert, lese ich gar nicht so ungerne. Zwar schlafe ich meistens sofort nach zehn Seiten ein, aber lustig ist es trotzdem. Und speziell dieses Buch, mit einer Reklamausgabe von nur sechzig Seiten, kommt mir hier sehr entgegen. ... Ich sollte wirklich mehr lesen, oder? -.-


Die Hauptfigur ist der titelgebende Thiel. Dieser lebt ein einfaches und schlichtes Leben. Er steht auf, arbeitet im Schichtdienst als Bahnwärter, kommt nach Hause und schläft wieder. Seine Liebligsabwechslung ist der sonntägliche Gang in die Kirche. Erstaunlichweise hat er sogar eine Frau. Eigentlich könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Er: groß, muskulös und stark, raue Haut. Sie: klein, grazil, schlank, sanfte Haut. Die einzige Gemeinsamkeit, die sie besitzen, ist wohl ihre Verschwiegenheit. Nach geraumer Zeit bekommen sie ein Kind zusammen, welches sie Tobias taufen. Natürlich kümmert sich Thiels Frau um das Baby, da Thiel ja arbeiten muss. Da so eine Geschichte aber keine Motivation liefert, weitergelesen zu werden, lässt Hauptmann, genau wie Malick in The Tree of Life, eine Figur sterben. Eine Tragödie ist doch gleich viel lesenswerter! Doch anders als Malick, lässt Hauptmann nicht ein Kind, sondern die Ehefrau sterben, was Thiel nun mit der Erziehung von Tobias alleine lassen würde. Daher sucht er sich nach einer kurzen Weile eine neue Frau, welche das vollkomme Gegenteil seiner ersten Gattin zu sein scheint. Ich könnte jetzt mit Adjektiven um mich werfen, aber wenn ich den Begriff "mollige, starke Bauernfrau" fallen lasse, wird der Großteil von euch schon wissen, was ich meine. Diese sieht tatsächlich immer noch eine Bedrohung ihrer Ehe durch Tobias, da er ja die Brut ihrer Vorgängerin war. Neid und Machtwünsche äußern sich dadurch, dass sie, die zweite Ehefrau (mir will der Name einfach nicht mehr einfallen), Tobias schlecht behandelt, schickaniert und teilweise sogar psychischer Folter oder physischer Gewalt aussetzt. Fast schon so, als ob sie einen Eindringling oder ein Ungeziefer loswerden will.

Soviel mal zur Inhaltsangabe. Zu viel will ich euch ja nicht verraten, da ihr selber lesen solltet, wie Thiel auf dieses Verhalten seiner neuen Ehefrau reagiert und welche Konsequenzen gezogen werden. Wie bereits erwähnt, spricht die Hauptfigur Thiel nur sehr wenig. Dadurch kommen logischerweise auch nicht viele Dialoge mit den anderen Charakteren der Geschichte zustande. Wenn man nun eine Geschichte erzählen will, die Personen in dieser aber nicht sehr viel miteinander reden, was bleibt einem dann noch übrig, um die Emotionen und Gedanken der Figuren zu expressieren? Genau! Man lässt die Umwelt einfach die Gefühle darstellen. Wenn nun Thiel zum Beispiel einen beunruhigenden Gedanken hat, beschreibt der Autor einen Sturm, der zeitgleich draußen tobt. Hat sich sein Gemütszustand beruhigt, so beschreibt er einen sanften Sonnenuntergang. Durch den krassen Mangel an verbaler Informationsübertragung bleibt dem Leser/der Leserin auch genug freier Interpretationsraum bezüglich der Gedanken Thiels. *Thumbs up*

Auf der anderen Seite kann dieser Freiraum aber auch fatal werden. So ist oft nicht verständlich, warum zur Hölle nie Tacheles geredet wird, sondern lieber beschrieben wird, wie stark der Wind weht oder wie hoch die Sonne gerade steht. Dennoch fand ich Bahnwärter Thiel ganz lesenswert und empfehle es, als schnelle Lektüre für zwischendurch, durchaus weiter. Besonders zugesagt hat mir, dass die Heranziehung von Metaphern als Parallele für eine potentielle Psychoanalyse des Hauptcharatkeres wesentlich besser funktioniert hat als bei Malick.

santi