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17. November 2014

Interstellar

Witzig. Durch mehrere Schicksalsschläge im eigenen Leben mental gelähmt, weiß man nichts mit sich selbst anzufangen, und zur Selbsttherapie versucht man nach einer gefühlten Ewigkeit sich wieder an alten Hobbys (wie zum Beispiel Blog schreiben) zu orientieren ...und dann fällt einem einfach kein gescheiter Inhalt für den Anfang eines endlich mal wieder verfassten Artikels ein. Awkward nennt man sowas. Eine Metapher muss her! Genau, ein passendes Bild, welches als Übergang unmissverständlich funktioniert und durch seine Absurdität genügend Sympathie und Schmunzeln in den Lesern erzeugt, sodass sie den Autor für dessen Gebrauch nicht sofort verurteilen und hängen. Also schwafel ich mal nicht weiter um den heißen Brei herum, sondern springe einfach mal direkt ins kalte Wasser. Das macht ja schließlich mehr Spaß als langsam immer nur eine weitere Stufe hinein in den lauwarmen Swimming Pool zu steigen. Wie macht man das am besten? Richtig: mit einer Wasserbombe! Darum soll sich mein erster Artikel metaphorisch passend um einen aktuellen Kinofilm drehen, der länger angekündigt war, aber dann doch relativ schnell fertiggestellt wurde, einen Sprung wagte, und schlussendlich bei Kritikern sowie normalen Kinogängern ebenso einschlug wie eine Bombe.




Wir befinden uns auf einer desolaten Erde in relativ naher Zukunft. Die Menschheit ignorierte jahrelang ihren Einfluss auf die Umwelt; Ressourcen wurden abgetragen und exzessiv verbraucht. Trockenheit und täglich wütende Sandstürme gehören mittlerweile zum Alltag. Viele Nahrungsmittelquellen sind versiegt. Fleisch gehört lange schon auf die Liste der knapp gewordenen Luxuswaren. So muss ein Großteil der Menschen mehr oder weniger bereitwillig die eigenen Jobs aufgeben und fast schon sozialistisch als Farmer und Bauern zusammenarbeiten, um die paar Getreidesorten, die überhaupt noch existieren können, anzubauen und so das Überleben der gesamten Spezies zu sichern. Durch diese lebensfeindlichen Umstände wird jede finanzielle Investition der Regierung außerhalb des Nahrungsmittelsektors scharf beobachtet und kritisch von der Öffentlichkeit aufgenommen. So kommt es zu einem starken Interessensrückgang in Wissenschaften und die NASA ist zu einem Überbleibsel ihres alten Selbst degeneriert. Doch genau eben diese prophezeit, dass sich allmählich das Ende unserer früher noch so bewohnbaren Welt nähert. Im Geheimen wird nun sie finanziert, um das Weltall zu erkunden, andere Planeten zu entdecken und die Existenz der Menscheit auf einer neuen Erde zu gewährleisten. Nur es fehlt überall an geschultem Personal, da bereits viele Schulen in ihrer Affinität wissenschaftliche Erkenntnisse weiterzuverbreiten, damit ja alle Kinder Farmer werden, einfach keine neuen Fachspezialisten mehr hervorbringen. Hier kommt Cooper ins Spiel. Cooper (gespielt von Matthew McConaughey) ist ein Ex-Pilot der NASA, welcher zu jenen Leuten gehört, die die Arbeit an den Haken hingen und Maisfarmer wurden. Gemeinsam mit seiner Tochter Murphy findet er über das Vorhaben, andere Planeten zu kolonisieren, heraus und entschließt sich, eines der Raumschiffe zu fliegen. Sehr zum Missfallen seiner Tochter. Denn die Distanzen, welche bei dieser Reise überbrückt werden müssen, würden bedeuten, dass Cooper über Jahre hinweg im All umherreist. Was jedoch für ihn in seinem Raumschiff nur 3-4 Jahre sind, könnten auf der Erde Jahrzehnte darstellen. Und die Reise an sich birgt weitere ungewisse Risiken...

Womit wir bei den emotionalen Dilemmata der Charaktere und generell dem Drehbuch angekommen wären. Wie ihr merkt, ist die Geschichte gespickt mit Aufbau und Details. Die Charaktere müssen etabliert werden; die Beziehungen müssen mit Emotionen angereichert werden; die Umwelt der Erde, die neuen Planeten, die Umstände der Reise, die wissenschaftlichen Aspekte müssen erläutert werden; all das beansprucht enorm viel Zeit. Christopher Nolan schafft es zwar, dass der Film trotz seiner doch bemerkenswerten Länge von über (ja, über!) 2 1/2 Stunden nie langweilig wird, aber dennoch braucht man sehr viel Sitzfleisch und hoffentlich einen Kinosessel, der einem keine Hintern- oder Nackenschmerzen beschert. Denn oben lest ihr nämlich nur die grobe Hintergrundgeschichte, welche vielleicht die erste halbe Stunde des Filmes ausmacht. Die Begebenheiten, wie Murphy und Cooper das Vorhaben entdeckt haben, wurde an dieser Stelle von mir gar nicht erst erwähnt. Dafür könnt ihr aber einen der talentiertesten Filmemacher unserer Zeit dabei beobachten, wie er jedem Charakter eine eigene Persönlichkeit zu verleihen weiß. Sei es nun die Vater-Tochter-Beziehung oder die moralischen Abgründe und Ängste der anderen Astronauten. Hier wird Nolan von einem namenhaften Cast unterstützt, der ziemlich teuer gewesen sein muss. Angeführt von den herausragenden Matthew McConaughey und Anne Hathaway ist jeder Schauspieler topbesetzt und motiviert. Außer der Kinderdarstellerin für die Tochter Murphy hat man wohl jeden Schauspieler schon irgenwo mal gesehen. Und selbst die spielt absurd überzeugend für eine so junge Schauspielerin! Normalerweise versagen Kinder in solchen präsenten Rollen eher häufig.




Wie ihr vorhin schon gelesen habt, sind auch wissenschaftliche Ideen ein großes Kernelement in Interstellar. Muss es ja auch sein, wenn man einen halbwegs glaubwürdigen Weltraumfilm in dieser finanziellen Größenordnung fabrizieren möchte. In der langen Laufzeit des Filmes nehmen die Erläuterungen zum Glück nie Überhand, aber die schiere Vielfalt könnte bei manchem Kopfzerbrechen auslösen. Hier also eine kleine Warnung, falls einen sowas überhaupt nicht interessiert. Es werden nämlich unter anderem Theorien behandelt wie: Was passiert in der Nähe eines schwarzen Loches? Wie funktionieren und sehen Wurmlöcher in dreidimensionalen Raum aus? Gibt es mehr als nur drei Dimensionen? Wie funktioniert Zeitdilatation? Einfluss von Gravitation auf Zeit? Generell sehr viel Relativitätstheorie. Lasst euch von meiner Warnung aber nicht vollkommen abschrecken! Der Film bietet in so vielen anderen Aspekten reichlich Tiefe und Unterhaltung, und wenn man dieses Blabla bei allzu großem Desinteresse ignorieren kann, kann man dem Film ebenfalls genug abgewinnen. Die Erklärungen wurden außerdem alle unter den wachsamen Augen von anerkannten Wissenschaftern und sogar Nobelpreisträgern in das Drehbuch integriert, sodass sie stets wissenschaftlich, kontextuell, und auch visuell Sinn machen, aber für Laien nicht zu kompliziert dargestellt werden bzw. nicht zu vereinnahmend sind. Christopher Nolan ist sich durchaus bewusst, dass dieser Teil des Filmes wohl nicht jeden begeistern wird, und übt sich aus meiner Sicht gekonnt an einer Gratwanderung zwischen Mainstream-Unterhaltung, wissenschaftlicher Genauigkeit, und Fantasie. Der gewaltigen Bild- und Soundkulisse tut es zumindest nichts ab.

Mankos gibt es aber leider überall. Nichts ist perfekt. Genauso Interstellar nicht. So zählen zu den Schwachstellen des Filmes eben unter anderem jenes Drehbuch, welches mit einem etwas zu .... nunja, sagen wir mal "freizügigen" Ende aufwartet, welches ein bisschen zu sehr auf die Schnulz- und Kitschdrüse drücken möchte. Hier nahm sich Nolan doch ein klein wenig zu viel erzählerischen Freiraum trotz aller entgegenstehenden Logik und Notwendigkeit, um das Ende in eine Richtung zu biegen, die ihm zusagt, da er noch einen Aha-Effekt einbauen wollte. Versteht mich bitte nicht falsch. Das Ende ist visuell und emotional großartig inszeniert und ich liebte es! Aber es wirkte zeitgleich so fehl am Platz. Neben dem Gedanken "Geil!" schwirrte in meinen Synapsen ständig parallel der Gedanke "Wirklich?! Wozu???" herum. Kurzum: trotz allen Bemühens kommt der Film über so manche Plotlücke nicht hinweg. Ein weiterer, aber recht schwacher Kritikpunkt ist der Soundtrack. Hans Zimmer versteht sein Handwerk und die Musik reißt einen mit, wird nie aufdringlich oder nervig, und hört sich epochal an. Nur ist sie nach einer Weile leicht repetitiv.




Dennoch, obwohl der Film zugegebenermaßen nicht perfekt ist, lese und höre ich von Filmkritikern teilweise viel zu harsche Reviews und negative Meinungen. Dieser Film ist in jeder erdenklichen Art bemerkenswert und verdient keine Scores von 6/10 Punkten, 3 von 5 Daumen, oder "watchable/serviceable". Generell sind diese Nummernspiele nicht sehr viel wert, da sie einfach zu brachial Filme oder Spiele oder was auch immer in Kategorien einzugliedern versuchen, und wie bei realen Konflikten muss jeder Konflikt eigen betrachtet werden. Lasst euch von schlechten Reviews nicht zu sehr beeinflussen, die Nolan als Regisseur oder gar das gesamte Drehbuch niedermachen, welches Schwachstellen aufweist, aber verzeihbare Schwachstellen. Wobei wir schon zum Artikelende gelangen.

Zusammengefasst ist Interstellar ein Schmaus für Augen und Ohren, und wartet mit einer Geschichte auf, die sich gewaschen hat. Der Film spielt mit wissenschaftlicher Präzision sowie auch hypothetischen Ideen herum. Übt sogar hier und da leichte Sozialkritik am menschlichen Umgang mit Natur und Wissenschaft. Primär zielt der Film auf jene ab, die mit dem Science Fiction Genre ein bisschen mehr als andere anfangen können, ist aber eben nicht nur ein klassischer Science Fiction Film im eigentlichen Sinn. Er nimmt euch auf eine atemberaubende Reise durch das Weltall mit und wenn man sich darauf einlässt, kann er euch auch emotional tief im Herz treffen. Nicht nur einmal kamen mir die Tränen. Interstellar ist ein Weltraumepos mit einer nur seicht definierten Zielgruppe. Egal ob man ein Familiendrama mit weltklasse Schauspielern; tolle Bilder von visuell beeidruckenden, fremden Welten; einen spannenden SciFi-Film, welcher seine Hausaufgaben gemacht hat, sehen will; oder einfach nur seinen philosophischen und wissenschaftlichen Horizont erweitern möchte. Unterhalten tut dieser Film im Kino wahrscheinlich jeden auf die ein oder andere Weise. Top-Erlebnis!

santi

14. Mai 2013

Life of Pi

Erst 3 Artikel in 4 Monaten? Daran sollte dringend etwas geändert werden. Aber ich muss euch beichten, dass mir in letzter Zeit Schreiben sehr wenig Spaß gemacht hat. Es ist von einem Hobby über viele Monate hinweg neben meinem Studium fast schon zu einer zweiten Arbeit mutiert, welche ich mir selbst wie eine Pflicht auferlegt habe. Die Liste der noch zu schreibenden Reviews wird zusätzlich dazu ebenfalls immer länger und länger, und dementsprechend wird das Schreiben demotivierender, wenn ich diesen riesigen Entwurfhaufen betrachte. Je mehr man zu erledigen hat, desto weniger schafft man am Ende. Und auch die Attitüde, "Das mach ich dann halt morgen", schleicht sich hinterhältig ins Unterbewusstsein ein. Dieses Phänomen kennen sicher ein paar von euch, liebe Leser. Sogar einen "Sendeplan" habe ich mir für Februar und April erstellt, aber diesen ebenfalls undiszipliniert wieder verworfen. Mein Blog soll keine Arbeit für mich sein, sondern mir Spaß machen! Darum beschloss ich kurzerhand, einfach kleine Schritte zu tätigen, mir nicht zu viel vorzunehmen und wieder einen Artikel nach dem anderen zu schreiben, ohne mir jedes Mal denken zu müssen, "Oh Gott, ich muss schnell ein Review zu diesem Film schreiben, sonst läuft er am Ende nicht mehr in den Kinos!" Pustekuchen, sag ich euch! Mit dieser Einstellung ist jetzt hoffentlich Schluss! Genau aus diesem Grund habe ich den Film Life of Pi als Reboot-Artikel ausgewählt.

Namensgebend für den Film ist Pi (ausgesprochen wie das englische Wort für Kuchen, meint aber tatsächlich die mathematische Kreiszahl), ein Mann indischer Abstammung, welcher sich zu Beginn des Filmes in Montreal, Kanada in einem Interview mit einem Buchautor befindet. Diesen Autor können wir gerne Santi nennen, da er praktischerweise das gleiche Problem hat wie ich (und ich mich nicht mehr an seinen Namen erinnern kann): er leidet an einer massiven Schreibblockade. Über mehrere Ecken hinweg hat Santi erfahren, dass Pi eine atemberaubende, unglaubliche Geschichte zu erzählen hat, welche bis dato viele Menschen inspiriert und ihnen teilweise sogar den Glauben an Gott wiedergegeben hat, sobald Pi seine Geschichte fertigerzählt hat. So treffen sich Santi und Pi nun zum Essen und zum im Park spazieren Gehen, damit Pi mit seiner Geschichte vielleicht auch Santi wieder seine Inspiration zurückgeben kann.




Die Geschichte beginnt mit Pi's Kindheit und Jugend. Er wuchs in Indien auf, absolvierte die Schule, zoffte sich ab und an mit seinen Eltern, übte früh eine Faszination für die großen Religionen dieser Welt aus, verliebte sich zum ersten Mal. Eigentlich recht standard, aber er war glücklich mit seinem Leben. Um Geld zu verdienen, betrieb sein Vater einen Zoo. Da dieser sich nach vielen Jahren leider nicht mehr rentiert hat, beschloss sich sein Vater, mit der ganzen Familie samt Zoo in die Vereinigten Staaten von Amerika zu reisen. Dort sollte man die Tiere an die dortigen Tiergärten verkaufen und sich mit dem gewonnen Geld in Kanada ein neues Leben aufbauen. Die Schicksalsgötter hatten aber andere Pläne und entfesselten während der marinen Überfahrt einen Sturm, welcher das Schiff samt tierischer Ladung und den meisten Reisenden an Bord zum Kentern und kurz darauf zum Sinken brachte. Pi konnte sich während dieser Tragödie auf ein Rettungsboot retten, merkte aber früh, dass er auf diesem nicht alleine war. Am ersten Tag teilte er sein Vehikel noch mit einem Orang-Utan, einem Zebra, einer Hyäne und, zu diesem Zeitpunkt noch unwissenderweise, mit einem Tiger. Die Hyäne machte sich prompt auch schon über Zebra und Orang-Utan her, der Tiger schließlich über die Hyäne und die Reste der anderen beiden Tiere. Pi war von nun an gezwungen, auf einem selbstgebastelten Floß neben dem Rettungsboot herzutreiben, da dieses nun das Territorium des Tigers war.

Somit begann für Pi ein Kampf ums Überleben. Nicht nur musste er Hunger, Durst, Wellen, Stürmen, Einsamkeit und der Hitze der Sonne trotzen, sondern auch lernen, mit dem Tiger umzugehen. Leider liegt der Fokus des Filmes sehr auf dieser Mensch-wildes-Tier-Beziehung und es werden nur wenige wirkliche Momente gezeigt, in welchen Pi fischt, sich ein provisorisches Dach bastelt oder sonst was überlebensnotwendiges praktiziert. Der eigentliche Überlebenskampf gegen die Gewalten der Natur werden gezielt in den Hintergrund gerückt, was ich persönlich halt ein bisschen schade finde. Meine Enttäuschung fußte aber in der Erwartung, einen moderneren Robinson Crusoe zu sehen, und soll eigentlich kein negativer Kritikpunkt sein, da diese Interpretation von "Gefangen sein auf einem Rettungsboot mit einem Tiger" durchaus interessant sind. Life of Pi geht bewusst in eine andere, sehr "fantastische" und märchenhafte Richtung, was man immens an der in der Geschichte vermittelten Spiritualität und der Optik des Filmes erkennt. Beispiele hierfür reichen von menschenfressenden Inseln, über die in allen möglichen Farben des Regenbogens leuchtende Fauna und Flora des Meeres, bis hin zu Pi's Faszination von Religionen, die er quasi schon sammelt wie andere Leute Pokemon fangen. Und hier geht der Regisseur (ich habe die Buchvorlage nicht gelesen) einen sehr gewagten Schritt, da anscheinend in jeder Situation im Leben etwas philosophisches zu finden ist. Seien es nun Jesus, Jehova, Allah, Ganesh oder Buddha, einer von ihnen ist immer präsent und möchte den Menschen Botschaften zukommen lassen.

Wie zu Beginn schon erwähnt, will Pi mit seiner Geschichte Santi seinen Glauben an das Fantastische, vielleicht sogar an Gott zurückgeben. Pi erzählt weiter von seiner Rettung nach knapp 200 Tagen auf Hoher See und dem anschließenden Interview der japanischen Versicherungsgesellschaft, welche herauszufinden versucht, warum das Schiff untergegangen ist. Pi's Geschichte mit dem Tiger, der Hyäne, dem Zebra und den unzähligen märchenhaften, fast schon an reine Erfindung grenzenden Geschehnissen lassen die japanischen Versicherungsbeamten skeptisch werden und fragen Pi, ob sich seine ganze "Reise" wirklich so zugetragen hat, wie er sagt. (Es ist immens schwer über diesen Film objektiv zu reden, ohne etwas zu spoilern). Pi sah ein, dass diese Beamten ihm nicht glaubten, er wollte sie aber "glauben" machen lassen. Er präsentierte ihnen eine zweite, abgeänderte Version, in welcher er sich mit dem Schiffskoch, einem Matrosen und noch jemanden auf das Rettungsboot evakuieren konnte. Nach kurzer Zeit begannen die anderen aber, genau wie die Hyäne und der Tiger, aufeinander loszugehen. Sei dies nun durch Streit, durch Hunger oder durch mentalen Stress passiert. Pi wurde mit dieser Realität nicht fertig und erfand sich daher bewusst die Tiere herbei, um die Geschehnisse zu entmenschlichen. Auf die Frage, welche Variante der Geschichte nun besser gefiele, antworteten bis zu diesem Zeitpunkt alle von Pi's Zuhörern: die Beamten, Santi, seine Freunde, etc.; sie alle antworteten, dass ihnen die Tigervariante besser gefiele. Vielleicht weil die Brutalität des Menschen durch diese Interpretation zumindest erzählerisch getilgt wurde. Die Menschen entschieden sich bewusst für das Unglaubliche, das Fantastische, "und so ist es auch mit Gott", lautet Pi's finaler Satz in seiner Erzählung.


"*Rawr* Ich bin eine Mietze-Katze!"

Der Film ist im Gegensatz zu diesen spirituellen Ansätzen des Plots ironischerweise ein sehr technischer Film. Es wurde zum Beispiel fast nie unter freiem Himmel gedreht und wie bei Titanic damals wurde ein großer Pool gebaut. Alle Tiere sind überaus gelungene, trotzdem eindeutig erkennbare Kreationen von Computerprogrammen, und vieles mehr, von Wetter bis Requisiten (stellenweise sogar das Boot), sind Produkte der Spezialeffekte. Besonders die Visualisierung des Tigers wurde hochgelobt, gewann sogar einen Oscar und ja, es sieht alles unglaublich gut aus, aber trotzdem erkennt man ständig, dass es sich um Effekte handelt. Im Vergleich dazu Jurassic Park oder Iron Man, in denen die Dinosaurier oder die Kampfanzüge umwerfend realistisch aussahen. In einem Zeitalter, in welchem man schon fast lebensechte Animationen erzeugen kann, wirkt der Film leider sehr künstlich. Nichtsdestotrotz sieht der Film gut aus und macht ENDLICH wieder seit Avatar: Aufbruch nach Pandora intelligenten und gekonnten Gebrauch der 3D-Technologie. Zwar ist dieser absolut nicht notwendig gewesen, aber die ein oder andere Kameraeinstellung (Ach, das Schiffswrack *schwärm*) wird dadurch sehr bereichert. Genauso handhabt es sich mit der musikalischen Hintergrunduntermalung, welche die Szenerien immer passend, aber nicht aufdringlich begleiten. Für die besten Effekte und die beste Filmmusik hat der Film verdient den Oscar erhalten. Den Gewinn für die beste Kamera, hm, ja, es gibt schon schöne, einprägsame Einstellungen und manche von denen bleiben einem sicher in Erinnerung, aber dies kann man durchaus anfechten, da einfach so vieles aus dem Computer entspringt...

Hm, habe ich nun zu Gott wiedergefunden? Wohl kaum. Ist meine Kreativität oder meine Motivation zu neuem Leben erwacht? Wir können es nur hoffen. Will man sich Life of Pi ansehen, und ich will auf keinen Fall jemandem davon abraten, sollte man davor gefeit sein, dass es sich nicht um einen actiongeladenen Survival-Thriller handelt, sondern um einen in manchen Belangen langatmigen Film, der eine Reise, eine Selbstfindung, eine philosophische Idee, ein Märchen erzählen will. Dessen Umsetzung macht den Film zwar nicht zum besten des Jahres, aber zumindest zu einem sehr sehenswerten und, meines Erachtens, zu einem der besten 2012.

santi

20. März 2013

Les Misérables

Stellt euch vor, es ist Revolution und keiner geht hin. Stellt euch vor, ihr müsstet euch zwischen der Loyalität zu euren Freunden und der Liebe eures Lebens entscheiden. Stellt euch vor, es gebe nur noch eine einzige Möglichkeit eurer Kind zu ernähren und ein Dach über dem Kopf zu geben. Stellt euch vor, ihr hättet eurem besten Freund bereits mehrmals eure Zuneigung gestanden, diese aber trotz massiver Selbstaufopferung niemals erwidert bekommen. Und stellt euch vor, euer schlimmster Erzfeind rettet euch das Leben. Übt ihr weiter Hass auf ihn aus oder vergebt ihr ihm? Wie würdet ihr reagieren? In Les Misérables sehen sich die vielen Hauptcharaktere mit diesen Szenarien konfrontiert und müssen sich oftmals zwischen Pest und Cholera entscheiden. Daher auch der "elendige" Titel, "Die, denen es miserabel ergeht". Passend zur diesjährigen Oscar-Verleihung vor inzwischen schon etwas längerer Zeit, 4 Wochen in etwa, habe ich jetzt endlich einen der vielen prämierten Filme zu Gesicht bekommen! Und im Gegensatz zu dem Jahr 2004, in welchem Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs alle Konkurrenten vom Platz gefegt hat, gab es dieses Jahr keinen wirklich großen Gewinner. Also mal sehen, ob zumindest das Musical-Epos Les Misérables seine Auszeichnungen verdient hat...




Das Stück bzw. der Film beginnt in Frankreich um zirka 1815. Also nicht allzu lange nach der französischen Revolution. Der Großteil der Bevölkerung lebt nach wie vor in Armut und kämpft jeden Tag aufs neue ums Überleben. Die erste Szene zeigt die Freilassung Jean Valjeans (Hugh Jackman), welcher 19 Jahre gesetzlich auferlegte Zwangsarbeit absolvierte, da er für seinen hungernden Neffen ein Laib Brot gestohlen hat und anschließend vor der Exekutive fliehen wollte. Freigelassen wird er von Oberaufseher Javert (Russell Crowe) leider nicht ganz. Javert entwickelte seit seiner Kindheit nämlich wegen negativen Erfahrungen eine derartige Wut auf die soziale Unterschicht und generell Gesetzesbrechern, sodass er seine Abneigung gegenüber dieser Bevölkerungsgruppe nun an Valjean auslässt und diesen in seinen persönlichen Papieren als Dieb und Gefahr für die Gesellschaft brandmarkt. Und um das Fass zum Überlaufen zu bringen, setzt er Valjean nur auf Bewährung frei, sodass sich dieser wöchentlich bei einem Polizeiamt zu melden hat. Dementsprechend schlecht läuft auch Valjeans darauffolgende Jobsuche und sein einziger Ausweg aus der Hungersnot und Obdachlosigkeit ist es abermals zu stehlen. Doch dieses Mal verzeiht ihm sein Opfer und Valjean schwört sich, die gestohlene Ware dazu zu verwenden, ein besserer und vorbildlicher Mensch zu werden, welcher anderen, soweit es möglich ist, zu helfen versucht. Mit seinen Papieren kann er dies leider nicht und so taucht er illegal eine Weile unter und nimmt eine neue Identität an.

Ein großer Zeitsprung von mehreren Jahren findet in der Erzählung statt und setzt ein, als eine junge Mutter, Angestellte einer Textilfabrik, von dem dortigen Personalmanager gefeuert wird. Es stellt sich heraus, dass Valjean Chef dieser Fabrik und sogar Bürgermeister der Stadt geworden ist. Zeitgleich trifft Valjean auf Javert, welcher ebenfalls in der Karriereleiter zum Oberpolizeiinspektor (oder sowas) hochkletterte und seinen entflohenen Ex-Sträfling, der sich ja nicht mehr bei den behördlichen Institutionen gemeldet und somit gegen seine Bewehrungsauflagen verstoßen hat, immer noch sucht. Doch erkennt Javert Valjean nicht sofort als eben diesen Ex-Sträfling. Die vorhin erwähnte Mutter namens Fantine (Anne Hathaway) kann seit ihrer Kündigung ihr Kind nicht mehr ernähren und da es Frauen im Frankreich des 19. Jahrhunderts ohne Ehemann generell etwas schwerer haben (um es euphemistisch auszudrücken), sieht sie keinen anderen Ausweg als in die Prostitution. Dort wird sie zufällig von Valjean (der Typ läuft verdammt oft zufällig in ältere Bekanntschaften...) entdeckt und aufgrund ihrer physischen Verfassung in ein Krankenhaus gebracht. Dort beichtet sie Valjean, dass sie das alles nur tat um ihre Tochter Cosette vor so einem Leben zu schützen, stirbt aber noch in derselben Nacht. Valjean, welchem wegen Fantines Kündigung ein immens schlechtes Gewissen plagt, will seine Schuld ihr gegenüber begleichen, sucht ihre Tochter auf und will diese unter anständigen Bedingungen großziehen. Doch mittlerweile ist ihm Javert auf die Schliche gekommen und Valjean muss mit seiner selbsternannten Tochter schon wieder in den Untergrund abtauchen.


Jean Valjean (Hugh Jackman) bei der Zwangsarbeit. 
Mir gefällt der dezente Regenbogen links im Bild.


Ein weiterer Zeitsprung von mehreren Jahren erfolgt und glaubt es, oder nicht, dass war erst mal nur die Vorgeschichte und die erste Dreiviertelstunde des Filmes! Im nächsten Akt kommen sogar noch 5 Charaktere und doppelt so viele zwischenmenschliche Beziehungen dazu. Cosette verliebt sich in einen jungen Studenten namens Marius, dieser auch in sie. Marius ist sehr politisch und kritisch gegenüber Staat und Königshaus, und will mit Freunden eine zweite französische Revolution anzetteln. Éponine, beste Freundin Marius' und ehemalige Stiefschwester Cosettes, ist irrsinnig verknallt in genau diesen, wurde aber von ihm in die Friendzone geschickt. Cosettes ehemalige Stief-/Pflegeeltern wollen ihre Tochter zurück bzw. Valjean ob seines Geheimnisses erpressen und schicken deshalb Javert dem untergetauchten Valjean auf den Hals. Und und und. Wenn ich hier jeden Charakter in die Inhaltsangabe einbinden würde, sitze ich bis zur nächsten Oscar-Nacht noch hier, und darauf habe ich nicht ganz so viel Lust. Die Tiefe und Komplexität ist auf jeden Fall ein sehr großer Pluspunkt für den Film, würde aber den Rahmen eines Onlinereviews sprengen. Daher breche ich an dieser Stelle mit der Inhaltsangabe ab. Merkt euch trotzdem: die Story ist top! Obwohl sie andererseits durch die Anzahl der handelnden Figuren sehr verstreut wird. Manchmal hätte ich doch mehr über die ein oder andere Person und ihre inneren Konflikte bzw. über ihre Konflikte mit anderen Personen erfahren. Denn für einen 2 1/2 Stunden-Film ist die Handlung schon fast zu tief und komplex, um in der notwendigen Zeit erzählt zu werden. Viel zu gern hätte ich mehr Szenen zwischen Javert und Valjean gesehen. *seufz* Interessanterweise scheint dies den Produzenten aber durchaus klar gewesen zu sein, da die meisten Charaktere von ihrer Persönlichkeit doch sehr flach und fast schon klischeebeladen gehalten wurden. Dies könnte aber wiederrum auf die Originalvorlage Les Misérables, ein Roman von Victor Hugo von 1862, zurückzuführen sein.

Aber eigentlich basiert der Film ja gar nicht auf dem Buch, sondern auf dem Musical zu dem Buch! Irgendwer dachte sich wohl (zurecht), es sei eine super Idee aus der Buchvorlage ein Schauspiel mit Gesang zu produzieren. Und gesungen wird in dem Film sehr viel! Um genau zu sein, kann man die gesprochenen Sätze an zwei Händen abzählen, aber dies macht in den meisten Fällen nichts, da alle Schauspieler scheinbar intensiven Gesangsunterricht nahmen und unglaublich gut singen können! Natürlich bleibt es Geschmackssache, ob einem der Gesang gefällt, aber abzustreiten, dass die Darsteller gut singen können, sollte einem doch recht schwerfallen. Einzig bei den choralen Passagen wären Untertitel nett gewesen, da bei diesen doch das ein oder andere Wort verschluckt wird bzw. diese Passagen für Nicht-Muttersprachler der englischen Sprache nicht ganz so leicht zu verstehen sind. Dennoch würde ich die originale englische Kinoversion der deutschen vorziehen, da die Texte einfach besser auf die Buchvorlage abgestimmt wurden.


Vive la France!

Nun zu den Oscars. Les Misérables gewann Oscars in den Kategorien bestes Make-Up und Hairstyling, bester Tonschnitt und beste Nebendarstellerin. Gut, zum ersten Punkt, kurz und schmerzlos: die Darsteller wurden wirklich so hergerichtet, wie man sich die soziale Unterschicht des 19. Jahrhunderts vorstellt. Spitzenarbeit! Warum der Film aber in der Ausstattung nicht gewonnen hat, überrascht eher wenig. Vor allem, da die Räumlichkeiten und sonstigen Requisiten genau wie beim Musical sehr provisorisch und minimal eingesetzt wurden. Der Fokus wurde hier eindeutig auf die Inszenierung der Charaktere gelegt, was man übrigens ebenfalls an Tom Hoopers (bekannt für The King's Speech) typischer, dezentraler Kamerapositionierung erkennt. Die Gesichter der Figuren sind sehr oft nah vor der Kamera in Großaufnahme und leicht vom Zentrum verrückt, sodass man stets noch einen Blick auf das Geschehen hinter diesen Personen hat. So erlebt man die Charaktere viel mehr in ihrem situationsadäquaten Kontext und sie wirken dadurch wesentlich menschlicher.

Der Oscar für besten Tonschnitt war wohl für ein verfilmtes Musical zu erwarten, warum zur Hölle das singende Starensemble bizarrerweise nicht auch den Oscar für die beste Filmmusik erhielt, bleibt mir trotzdem schleierhaft... Ich mein, das ist ein Musikfilm! Mir kann keiner erzählen, dass andere Filme mehr Arbeit und Ambition in ihre Filmmusik gesteckt haben als dieser hier. Man, man, man... nichts mehr hinzuzufügen, denn die Musik ist das wohl größte Highlight in Les Misérables. Eine Schande, dass sie nicht beste Filmmusik erhielten, bleibt einem doch noch lange nach dem Kinobesuch ein Ohrwurm von dem ein oder anderen Lied.

Und nun zu dem wohl umstrittensten Oscar, über den man diskutieren kann, und über welchen in vielen Foren und Onlinefilmdatenbanken hitzig debattiert wird: beste Nebendarstellerin.
Let the Flame-War begin! 
NEIN! Einfach nur NEIN! Anne Hathaway hat gerade einmal 25 Minuten Leinwandpräsenz, wenn es hochkommt. Dafür verdient man keinen Oscar, NEIN! Die Schauspieler singen und spielen ihre Rollen alle mit immens großer Hingabe und befinden sich durchschnittlich auf dem selben Niveau. Anne Hathaway spielt weiß Gott nicht besser. Besonders ihre erste Szene in der Fabrik war unglaublich schwach. Da habe ich den wirklichen Nebendarstellern (diejenigen, die in den Credits gaaaaanz unten erst erscheinen) ihre Rollen noch viel eher abgekauft! Sie bekam genau für eine, ich wiederhole, eine einzige Szene den Oscar. Nämlich für ihre Interpretation des Liedes I dreamed a Dream. Und ja, sie singt dieses Lied außerirdisch schön und mit viel Emotion. Aber nur weil sie 5 Minuten lang auf die Tränendrüse drückt, hat sie vielleicht eine herzliche Umarmung, einen Blumenstrauß oder viel Applaus verdient, meinetwegen auch Standing Ovations, aber gleich eine so hochanerkannte Auszeichnung??? In den letzten Jahren entwickelt sich in Hollywood allmählich der Trend, Oscars nicht wegen herausragende schauspielerische Leistungen, sondern wegen dem Lebenswerk der letzten Jahre zu vergeben. Sandra Bullock hat in Blind Side 2009 auch nicht überdimensional gut gespielt, sondern ihren Oscar nur erhalten, weil sie schon in unzähligen Filmen davor mitspielte und es "angeblich"(!) längst überfällig war. Diese Meinung teile ich einfach nicht und ja, na gut, kann nix dagegen machen. Aber bitte formt euch diesbezüglich selbst eine Meinung. Schauspielerische Leistungen sind wie immer subjektive Einschätzungen des Betrachters und können genau wie bei Gesang/Musik verschieden sein. Anne Hathaway ist auf jeden Fall richtig gecastet und spielt super, keine Frage! Oscar hätte ich ihr trotzdem keinen gegeben.

Jetzt habe ich aber auch schon genug geredet und euch gelangweilt, und komme lieber prompt zu meiner Empfehlung: wenn euch der Gedanke an permanentes Singen abschrecken sollte, oder ihr generell keine Musicals mögt, dann werdet ihr mit diesem Film wohl wenig Freude haben. Der große, außergewöhnliche Blockbuster ist Les Misérables meiner Meinung nach nicht geworden, aber dank der Handlung und der überaus gekonnten Inszenierung ein guter Film und durchaus einen Kinobesuch wert. Für Musical-Fans ist dieser Film sowieso ein Must-See!

santi



Post Scriptum:
Hier habt ihr noch ein paar Links zu Bildern, welche Tom Hoopers typische Kameraführung, welche man auch in The King's Speech reichlich zu sehen bekommt, veranschaulichen sollen. Er verwendet sie zwar gerne, aber selbstverständlich nicht exzessiv.

17. Dezember 2012

Beasts of the Southern Wild

Ich liebe es in Filme zu gehen, von denen ich keinen blassen Schimmer habe, um was sie handeln könnten. Genauso war es bei Beasts of the Southern Wild bei der diesjährigen Viennale. Weder Trailer, noch sonstiges Footage aus dem Film waren mir bekannt. Nicht einmal auf Wikipedia oder Metacritic las ich mir Handlung oder Kritiken durch. Einzig die Viennale-Rezension, welche leider oft mehr Hirnwichserei als hilfreich oder informativ sind, und eine Empfehlung meines Mitbewohners ("Wird dir gefallen, aber ich sag dir nicht, worums geht. Ätsch!") unterliefen mir auf dem Weg ins Kino. Und so kam es mal wieder, dass sich euer lieber Santi nichtsahnend in seinem Kinosessel zurücklehnte, imposante Bilder bestaunte, über zwischenmenschliche Beziehungen nachdachte, sich wunderte, was da gerade auf der Leinwand passierte, und nach dem Abspann überraschend feststellte, dass ihm dieser Film sogar ganz gut gefallen hat, obwohl er bis zum Bier danach nicht ganz wusste, warum eigentlich...




Der Film spielt in den Jahren nach der Milleniumswende und ist angesiedelt im amerikanischen Südosten (Mississippi, Louisiana), wo dichte Wälder und langsame Flüsse die Flora, sowie Mosquitos und Alligatoren die Fauna prägen. Dort lebt das junge 6-jährige Mädchen Hushpuppy zusammen mit ihrem strikten, aber zugleich fürsorglichen Vater Wink in der Kommune "The Bathtub". Diese Ortschaft grenzt einige Kilometer landeinwärts an einen riesigen Damm an, der die dahinterliegenden Fabriken im Falle von Hochwasser schützen soll, und so quasi das Land von der Stadt trennt. Das Leben ist simpel und nicht auf finanziellen Erfolg getrimmt, sondern um das miteinander leben und das Überleben. Tiere werden selbst gehalten, der Alkohol selbst gebrannt. Es ist ein rustikales Dasein, wenn man so will, aber anstatt von landwirtschaftlich bebauten Feldern wird der Alltag vom Sumpf beherrscht. Die Schulen sind ebenfalls sehr rabiat organisiert. So erzählt die unterrichtende Lehrerin nicht über Mathematik oder Englischkenntnisse, sondern von Prophezeiungen über zerstörerische Stürme, globale Erwärmung, Hokuspokus und über in der Eiszeit in das ewige Eis eingesperrte Auerochsen. Diese Auerochsen würden bald durch die globale Erwärmung befreit werden und wieder die Ländereien der Menschen heimsuchen.

So kommt es, dass eine dieser Prophezeiungen tatsächlich wahr wird und ein Hurrikan durch das Land fegt. Möglicherweise Hurrikan Katrina? Die meisten Menschen fliehen aus The Bathtub, aber Wink und Hushpuppy bleiben zusammen mit einer Hand voll Freunden und Bekannten zurück. Gemeinsam stellen sie sich dem Hochwasser und den Rettungsversuchen der modernen Zivilisation, die mit Bergungshubschraubern die Überlebenden der Flut gegen deren Wunsch in ein Hilfslazarett transportieren will. Zusätzlich beginnt Wink unter einer dubiosen Krankheit zu leiden und versucht seiner Tochter in seinem Leben noch so viel wie möglich beizubringen, nichtsahnend, dass die vorhin erwähnten Auerochsen durch einen Gletscherbruch in der Antarktis wirklich wieder befreit wurden und nun unaufhaltsam Richtung Bathtub marschieren.

Nach dem Film begab sich meine Filmgruppe auf eine lange Suche durch die Innenstadt, ein nicht-überfülltes Lokal zu finden. Samstagabend gleicht dieses Unterfangen einem Spießrutenlauf. Nach 20 Minuten wurden wir schlussendlich doch noch fündig und palaverten über den tieferen Sinn der Geschichte von Beasts of the Southern Wild. Was war nun die Botschaft? Gibt es überhaupt eine? War der Film vielleicht eine Kritik über die Klima-Resolutionen des Kyotoprotokolls, welches scheinbar zum Scheitern verurteilt ist? Oder ist es eine Anspielung an die viel zu langsame Aufbauhilfe und chaotische Innenpolitik des George Walker Bush nach dem Hurrikan Katrina? Oder sollen vielleicht soziale Probleme zwischen den Gesellschaftsschichten, angetrieben durch zu große Industrialisierung und dem Stadtdrang der Bevölkerung, Thema des Filmes sein? Und was hat es mit diesen Auerochsen auf sich? Sind sie die Bestien des wilden Südens? Oder ist das vielleicht doch jemand anderes? Geht es in Wirklichkeit um die psychische Reifung der Protagonisten?

Das Schöne an  Beasts of the Southern Wild ist, dass er so viele dieser Thematiken anschneidet, aber sich nicht ausschließlich mit ihnen befasst. Dadurch kommt ein dynamischer Mix zustande, welcher folglich den Zuseher über genau diese Aspekte des Lebens zum Nachdenken bringt, aber ihn nicht mit unnötigen Informationen überrumpelt, sondern seinen Verstand mit beeindruckenden, unvergesslichen Bildern, einem verzaubernden Soundtrack und klugen Dialogen füttert. Stars des Filmes sind letztendlich das Vater-Tochter-Duo Hushpuppy und Wink, gespielt von Quvenzhané Wallis und Dwight Henry. Die Leinwandpräsenz der Beiden ist unglaublich hoch und ihre Charaktere mit einer unfassbaren Leidenschaft gespielt und zwischenmenschlicher Tiefe bestückt, die man in vielen Blockbustern der heutigen Zeit vermisst. Henry Dwights Cast ist sogar nur zufällig während der Dreharbeiten zustande gekommen, da er schon einmal Zeuge von so einem Jahrhundertsturm wurde. Der eigentliche Fokus von Beasts of the Southern Wild liegt eindeutig in der Vater-Tochter-Beziehung, ist unsere Filmgruppe zum Entschluss gekommen.

Der Film kommt schon diese Woche im deutschsprachigen Raum in die Kinos und wem genau ich diesen Film empfehlen soll, weiß ich leider nicht, da er eben nicht in ein konkretes Genre fällt und es fast schon jedem selbst überlassen ist, was er in diesem Film sehen mag. Sogar das Verhältnis zwischen Hushpuppy und Wink kann verschieden interpretiert werden. Abgerundet wird der intelligente Plot und die einprägsamen Szenen von der Off-Stimme der Hauptdarstellerin, welche die einzelnen Momente des Filmes miteinander verbindet und sie liebevoll aus einer vollkommen eigenen, kindlichen Sicht beschreibt. Aus der Sicht einer 6-Jährigen nämlich. Nicht umsonst heimste Beasts of the Southern Wild bei zahlreichen Filmfestivals den Großteil der Preise ab, für die er nominiert wurden. Sogar Hollywood-Filmkritikergröße Roger Ebert blieb die Spucke weg. Ganz großes Kino und eigentlich jedem zu empfehlen!

santi

19. November 2012

Da-Reun Na-Ra-E-Suh

Die Viennale ist vorbei und ich habe reichlich nachzuschreiben, denn so viele Filme wurden gesehen. Ganze 2 an der Zahl... Fleißig war ich! xD Wie dem auch sei, diese gilt es zu reviewen, obwohl mir das bei "künstlerischen" Filmen schwerer fällt als bei den Blockbuster in den Multiplexxen. Oft komme ich mir nämlich vor, als sei ich einfach nur dumm und würde den tieferen Sinn eines solchen Filmes nicht verstehen. Besonders stark kommt dieses Gefühl auf, wenn alle im Kinosaal, nachdem die Credits fertig heruntergerollt sind, in tosendem Beifall applaudieren und ich einfach stumm in meinem Sessel sitze und mir denke "WTF? Also entweder habe ich 'was verpasst oder ihr seid einfach alle Mitläufer ohne Geschmack.". Bleibt halt die Frage offen, was wahrscheinlicher ist... 
Und wie konnte es anders kommen, dass bei Da-Reun Na-Ra-E-Suh (In another Country), eine südkoreanische Produktion mit einer französischen Hauptdarstellerin, eben genau dieses Muster wieder eintrat. Immerhin war ich dieses Mal nicht der Einzige, der sich dem Geklatsche und dem sozialen Druck am Ende des Filmes nicht unterwerfen wollte.




Die Geschichte beginnt in einem kleinen Strandort im abgeschiedeneren Teil Südkoreas. Die Kamera zeigt die Französin Anne, die scheinbar einen alten Jugendfreund besucht, welcher immer noch leichte Gefühle für sie hat. Um einen klaren Kopf zu bekommen erkundet sie die Stadt und versucht Smalltalk mit Leuten zu führen. Dies funktioniert nur sehr holprig, denn weder kann Anne Koreanisch, noch die Bewohner der Stadt Französisch. Nun sehen wir uns einen 1 1/2 Stunden langen Film an, in dem sich alle Menschen mit gebrochenem (in diesem Fall erbrochenem) Englisch unterhalten. Sounds like fun! Unter anderem lernt sie auch einen netten, Klischee-beladenen (er ist maskulin und scheinbar nicht ganz helle im Kopf) Rettungsschwimmer kennen. Dieser interpretiert ihren Smalltalk aber als Flirtversuche ihrerseits und macht am darauffolgenden Abend wiederrum Annäherungsversuche seinerseits. Die Charaktere sind alle sehr oberflächlich gezeichnet und man weiß eigentlich nicht genau, was sie denken und warum sie sich für gewisse Handlungsakte entscheiden. Wie es danach weitergeht, habe ich leider vergessen. Denn schon zu diesem Zeitpunkt schaltete mein Gehirn auf Leerlauf.

Es wurde aber abrupt aus seinem Wachkoma gerissen, da auf der Leinwand auf einmal ein jüngeres, koreanisches Mädchen zu sehen war, welches in ein Tagebuch hineinschrieb und mit einer Off-Stimme folgenden Text erzählte: "In der zweiten Episode sehen wir nun eine verheiratete Hausfrau, ...blablabla". Auf einmal sieht man die gleichen Leute auf der Leinwand, die sich mit den gleichen Namen gegenseitig ansprechen, jedoch, so scheint es, vollkommen andere Charaktere spielen und sich auch anders verhalten. "Okay", denkt sich mein Gehirn, ohne dem Wissen, dass es sich um andere Charaktere handelt. Denn auf dieses Faktum muss man selbst draufkommen, da es an keiner Stelle erklärt wird. "Also entweder die spielen jetzt andere Charaktere, die nur zufällig gleich heißen. Oder es handelt sich um ein Paralleluniversum. Auf der anderen Seite stand in den Filmrezessionen nichts von Science Fiction drinnen. Oder die Hauptcharaktere sind immer noch die gleichen, aber durch die Bank alle schlagartig schizophren geworden. Und falls es andere Charaktere sein sollen: spielen die zeitlich nacheinander oder sind es unabhängige Geschichten? Und wenn es voneinander unabhängige Geschichten sind, sind diese in der Welt dieses Films real oder auch einfach nur von diesem Gott-Mädchen erfunden?" Diese verheiratete Hausfrau mit dem Namen Anne, gespielt von der gleichen Französin (Isabelle Huppert), will anscheinend ein Abenteuer erleben und trifft sich in dem Strandort mit ihrem koreanischen Liebhaber gleichen Alters. Da dieser zu spät kommt, motiviert sie sich die Stadt zu erkunden. Stadt erkunden, das kennen wir doch von vorher! Ihr Liebhaber kommt sie endlich abholen und sie besuchen den Strand, wo Anne Smalltalk mit dem Rettungsschwimmer führt, was ihren Liebhaber sehr zur Eifersucht und dementsprechend zur Weißglut treibt. Smalltalk mit Rettungsschwimmer...das Muster hatten wir doch auch schon! Immer noch veranlasst mich nichts dazu, jedwede Sympathie für die Charaktere zu entwickeln, da sie einfach viel zu hohl sind. Zu Beginn dachte ich auch, der Film sei eine Anspielung auf Lola rennt! oder Krzysztof Kieślowski's Drei-Farben-Trilogie. Filme, in denen immer wieder der gleiche Handlungsstrang aufgegriffen wird, aber stets ein entscheidendes Detail an einer bestimmten Stelle verändert wurde, was die Handlungsstränge dazu veranlasst, vollkommen verschiedene Wege einzuschlagen. Vielleicht besteht ja noch Hoffnung für diesen hier...

Und BAM! Das südkoreanische Mädchen taucht wieder auf der Leinwand auf und schreibt wieder in ihrem Tagebuch. "In dieser dritten Geschichte...". "Oh Gott, der Scheiß beginnt NOCHMAL von vorne???" Fragend und verzweifelt blicke ich zu meinem Bruder hinüber, welcher sich bereiterklärte sich mit mir diesen Film anzusehen. Seine Seele wurde aber bereits verschlungen, denn nicht nur liegt sein Kopf nach hinten in seinem Nacken, auch Sabber rinnt ihm aus den Mundwinkeln. Vielleicht ist er auch einfach nur eingeschlafen, wecken wollte ich ihn trotzdem nicht. Denn seine Träume sind mit Sicherheit unterhaltsamer als dieser Streifen. Oh, wie ich ihn beneidete! Als guter Bruder hätte ich ihm den Speichel vielleicht abwischen sollen ...ich war anderweitig beschäftigt. Nämlich dem grandiosen Drehbuch zu folgen, welches anscheinend in zwei Tagen auf einer Toilette geschrieben wurde, weil der Autor dort mit einer Magendarmgrippe festsaß. In der dritten Episode besucht die Französin Anne Südkorea um über ihre Scheidung hinwegzukommen. Sie unternimmt einen Stadtrundgang (wie originell) und trifft unseren Rettungsschwimmer (noch origineller). Ganz ehrlich: ich habe vergessen wie der Film ausgeht.

Das einzig Gute an diesem Film sind, und jetzt kommt's, die koreanischen Schauspieler! Meine Fresse, jeder von denen verkörpert seine Rollen (so schlecht sie auch geschrieben sind) super und mit Ambition. Sie bemühen sich richtig, dass die Figuren plausibel und halbwegs realistisch auf das Publikum wirken. Mein Bruder versuchte zwar die Leistung von Isabelle Huppert zu verteidigen, aber meiner Meinung spielt sie alle ihre Figuren vollkommen überzeichnet. Wäre ich in der mentalen Lage gewesen zu lachen, hätte ich es auch getan. Und warum liebt dieser Regisseur es so sehr, die immer gleichen Kameraeinstellungen zu nehmen?

Soll der Film nun eine Anspielung auf die babylonische Sprachverwirrung sein und wie sehr Menschen aneinander vorbeireden können? Oder will er zeigen, dass soziale Normen (zum Beispiel: Flirtrituale) in anderen Kulturkreisen verschieden wahrgenommen werden? War der Film vielleicht nur als Experiment gedacht, die gleichen Menschen für verschiedene Rollen einzusetzen? Oder vielleicht nur eine Isabelle Huppert One-Woman-Show. Unabhängig von diesem unbekannten Entstehungsgedanken scheitert das Endresultat fast schon kläglich daran eine klare Botschaft zu vermitteln, und nach dem Verlassen des Kinosaals bleibt wenig Raum um sich über diesen Film konstruktiv zu unterhalten. Man versucht eher herauszufinden, was das alles zu bedeuten hatte und es in einen Zusammenhang zu bringen. Vielleicht war auch genau das das Ziel von Regisseur Hong Sang-soo, nämlich dass er seinem Film keine Botschaft verleihen wollte und der Zuseher sich am Ende selbst eine Interpretation zusammenreimen soll, kann oder muss. Scheinbar hat diese Absicht besser gefruchtet als ich es für möglich hielt während dem Kinobesuch. Denn nach der Vorstellung gab es den in meiner Einleitung besagten Applaus und ständig wurden über die gleichen Witze gelacht. Ich fand diese aufgesetzten Belustigungsversuche eher traurig und damit, so denke ich, bin ich nicht der Einzige, wenn man die 6er-Wertungen auf Metacritic und IMDB begutachtet. Vielleicht ist der Film ja eh besser als ich es mir selbst und mit diesem Artikel auch euch versuche einzureden, aber er hat mich persönlich, andere scheinbar nicht, einfach in so vielen Belangen gestört, verwirrt und gelangweilt...


santi

26. August 2012

Welcome to Hell

Bücher, sooo viele Bücher zum Lesen. Ihr habt ja keine Ahnung, wieviele von den Dingern ich über die Jahre gesammelt habe und nie wirklich aufgeschlagen habe. Da ich vor wenigen Tagen immer noch keinen neuen Laptop hatte (jetzt aber schon, YAY) und ich eines Nachts auch nicht einschlafen konnte, nahm ich eines dieser Buch zur Hand. Musste ja schließlich viel zum Lesen aufholen. Außerdem passte der Ort des Buches irgendwie zu meiner bevorstehenden Thailandreise. Obwohl, hoffentlich nicht...




Wie der Titel so schön verrät, war Colin Martins Aufenthalt in Tailand kein so erfreulicher. Aber ich fange lieber mal von vorne an. Colin Martin war ein irischer Schweißer und Geschäftsmann. Anfang der 90er hat er seine eigene kleine Firma aufgemacht, welche sich damit beschäftigte, Schweißer auszubilden und als Leihkräfte zu verleihen. Zuerst expandierte die Firma in europäische und später auch in asiatische Länder. Bei einem seiner geplanten Deals wurde er in Bangkok übers Ohr gehauen und um eine halbe Millionen Dollar erleichtert. Da er selbst nun pleite war, seine Kollegen und Angestellten kein Vertrauen mehr zu ihm hatten und seine Frau ihn verlassen hat, begab er sich auf eine zweijährige Suche quer durch Thailand, um die Männer zu finden, die ihn ausgetrickst hatten. Erstaunlicherweise findet er diese beiden Männer sogar und möchte Gerechtigkeit walten lassen... und natürlich sein Geld zurückhaben. Durch korrupte Polizisten geschieht aber genau das Gegenteil. Bei der Festnahme des zweiten Schurken kommt es nämlich zu einem Faustkampf mit dessen Bodyguard, welcher zwar von Colin überwältigt werden, aber auch fliehen konnte. Auf einmal gilt dieser Bodyguard nicht nur als vermisst, sondern auch als tot. Einer der beiden Betrüger bezichtigt Colin nun als mutmaßlichen Mörder seines Bodyguards. Natürlich verteidigt Colin seine Unschuld, aber wird durch stundenlange Folter der Polizei weichgekocht und zu einem Geständnis gezwungen. Daraufhin landet er in einem der brutalsten, gefährlichsten, unhygienischsten und menschenunwürdigsten Gefängnissen der Welt. Im restlichen Buch über schreibt Colin, wie das Leben im Gefängnis so war und wie er vergeblich versuchte, eine faire Verhandlung vor Gericht zu erhalten.

Das erschütternde an Welcome to Hell ist, dass es auf wahren Erlebnissen von Colin Martin basiert und dieser autobiografisch und auschließlich aus der Ich-Perspektive berichtet. Und glaubt mir, es ist nicht einfach, sich selbst zu überwinden und das, was dieser Mann niederschrieb, zu akzeptieren. Denn nicht nur die Ungerechtigkeit und die brutale Folter der Polizei, sondern auch die Lebensverhältnisse in den Haftanstalten sind unglaublich. Man mag es fast nicht wahrhaben, dass es solche Orte auf der Welt gibt und dass andere Menschen in der Lage sind, anderen so etwas anzutun. Colin Martin ertrug es 8 harte Jahre lang und entschloss sich schlussendlich, seine Geschichte niederzuschreiben. Ihm war, so schreibt er gegen Ende des Buches, durchaus bewusst, dass viele Leute, die sein Buch lesen werden, ihm wahrscheinlich keinen Glauben schenken werden, da sie die beschriebenen Grausamkeiten nicht wahrhaben wollen oder vielleicht gar nicht verstehen. Um seine Geschichte bei Skeptikern zu untermauern, fügte er die wenigen Fotos, die ihm während seines Gefängnisaufentaltes erlaubt wurden, hinzu. Und sein Schreibstil wirkt nun wirklich nicht wie der eines professionellen Schriftstellers. Er beschreibt in seinen eigenen Worten, was er gesehen und erlebt hat.

Zu Beginn des Buches wirkt alles immens surreal, da Colin ja auf zwei Betrüger, die ihre Betrügereien im großen Stil organisieren und es hauptsächlich auf Firmen und Geschäftsmänner abgesehen haben, hereinfällt. Teilweise ist einem während dem Lesen unbegreiflich, wie Colin Martin auf die Ausreden und die Tricks dieser Betrüger so naiv hereinfallen konnte. Dann sinnierte ich kurz darüber und kam zu dem Entschluss, dass dies doch vielen Leuten leicht passieren hätte können. Er glaubte halt an das Gute im Menschen und dachte nicht darüber nach, dass man ihn so verarschen würde. Sein Drang nach Gerechtigkeit wurde dann unbarmherzig vom thailändischen Justizsystem, welches im Buch von vorne bis hinten als korrupt rüberkommt, niedergeknüppelt und er wurde für seine Gutmütigkeit bestraft. Einige werden sogar einen ganz neuen Blick auf die Länder Südostasiens bekommen.

Ich weiß nicht wirklich, was ich mit diesem Artikel erreichen will. Wahrscheinlich will ich nur, dass so viele Leute wie möglich von dem, was Colin Martin zugestoßen ist, erfahren. Persönlich finde ich, dass er sich doch sehr naiv und sogar ein bisschen dümmlich bzw. fahrlässig verhalten hat. Auf der anderen Seite ist es durchaus menschlich, Fehler zu machen. Dass er aber so bitter in seiner Sehnsucht nach Fairness enttäuscht wird, ist einfach unbegreiflich. Das Buch liest sich sehr schnell und obwohl das Beschriebene in einem einen Kotzreiz verursachen kann, ist es doch immens mitreißend. Ob es taktisch klug war, genau dieses Buch vor meinem Thailandaufenthalt zu lesen, ist natürlich fraglich. xD Ich empfehle es trotz des schwermütigen Inhaltes auf jeden Fall weiter und wünsche Colin für sein restliches Leben alles Gute!

santi

28. Mai 2012

Eine dunkle Begierde

Bei einem kürzlichen Besuch in dem Wiener Votivkino (ja, es war nur ein herkömmlicher Besuch, denn Film sah ich mir keinen an.^^), sprang mir sofort ein Filmposter ins Auge. Und mir wurde schlagartig eines bewusst. Ich vergaß damals tatsächlich, ein Review über diesen Film zu schreiben! O_O Wie konnte das denn passieren?? Hm, wenn ich so drüber nachdenke, ist mir das sogar schon viel zu oft passiert. Also brauche ich mich eigentlich gar nicht wundern. "Oh Mutter Lethargie und Vater Faulheit, hier spricht euer Sohn, sein Name ist Santi!" Nun gut, ich hoffe ihr nehmt es mir nicht allzu übel, wenn dieser Artikel geschlagene sechs Monate später veröffentlicht wird. Und bevor mir nochmals mein Bruder Vergesslichkeit zuvorkommt, rede ich nicht länger um den heißen Brei.




Im Grunde könnte ich Eine dunkle Begierde auf ein paar kurze Worte beschränken, da er einfach kein Must-see ist und auch als abendfüllender Fernsehfilm recht wenig taugt. Eine Begierde, diesen Film zu sehen, gibt es nicht, und ach so dunkel bleiben die in Schatten gehüllten Synapsen des Publikums. Tatsächlich bekommt man eine ziellose, mit Intrigen (falls man es überhaupt so nennen kann) durchzogene Handlung basierend auf den Psychotherapeuten Jung und Freud geliefert, von welcher man einfach nicht weiß, ob sie aus realen oder fiktiven Fakten besteht, oder einfach Elemente aus beidem kombiniert. Der Zuseher/die Zuseherin wird den Kinosaal eher ernüchternd verlassen haben, da zwar eine solide Geschichte mit engagierten Schauspielern (allen voran Michael Fassbender) geboten wird, aber einfach eine bleibende Botschaft fehlt. So gerät der Film schon in dem nächsten öffentlichen Verkehrsmittel, schneller als der Eine Ring aus Mordor und genauso wie dieser Artikel, von welchem ich stolz behaupten kann, er ist bis dato nicht nur mein kürzestes, sondern auch mein präzisestes Review, in Vergessenheit.

santi

7. April 2012

The Artist

Uff ganz ganz schnell den Artikel schreiben, bevor es den Film mal wieder nicht mehr in den Kinos spielen sollte. Keine Zeit für Einleitung. Es geht um The Artist und jetzt: "Artikel ab!"




Wohl nur sehr wenige Leute hätten gedacht, dass ein Stummfilm in schwarz-weiß heutzutage noch großen Erfolg einfahren bzw. überhaupt gedreht wird. Dies dachten sich anscheinend auch viele potenzielle Sponsoren, sodass es dem Produzenten Thomas Langmann und Regisseur Michel Hazanavicius (wer diesen Namen aussprechen kann, bekommt eine Medaille von mir) zu Beginn etwas schwer fiel, Interessenten zu finden, bis sie schlussendlich in die eigene Tasche greifen mussten und zur Selbstfinanzierung schritten. Was dabei herauskam ist ein Lobgesang auf die Stummfilmära, wie sie es selbstironischer, romantischer und nostalgischer nicht hätte werden können. Primär handelt es sich zwar um ein Drama, in welchem ein alteingesessener Filmstar das Aufkommen des vertonten Filmes nicht wahrhaben will, nicht ernst nimmt und am Ende an dieser Neuentdeckung, mit Hilfe von Alkohol, Depression und Selbstmitleid, zu Grunde geht. Auf der anderen Seite kommt der Humor, eigentlich könnte ich auch "der Witz" schreiben, ganz und gar nicht zu kurz, wodurch der Film sehr beschwinglich und sorglos wirkt, stark in Kontrast zu dem tragischen und tristen Plot. Dies erzeugt teilweise sogar den Eindruck, der Film wäre als eine Hommage konzipiert.

Da es sich um einen Stummfilm handelt, kommt das Problem auf, wie man die Geschichte erzählt und den Inhalt widergibt. Die ganze Zeit über nur Text zu lesen, wenn jemand redet, ist auch langweilig und anstrengend. Ergo braucht man immens gute Schauspieler, die mit ihrer Mimik alle Emotionen und Gedanken rüberbringen können. Und in Jean Dujardin und Bérénice Bejo ist dem Castingteam ein wahrer Glücksgriff gelungen. Die beiden sind nämlich so präsent und dominant auf der Leinwand, dass sie die 30er Jahre wörtlich wieder aufleben lassen, anstatt nur ein Drehbuch abzuspielen. Man könnte schon fast sagen, sie seien in ihre Rollen verliebt bzw. werden eins mit ihnen.

Die Bildkulisse ist meistens eher mager gestaltet, muss das Auge doch viel mehr Informationen aufnehmen, da der Gehörsinn mehr oder weniger wegfällt. So kommt es, dass der Regisseur stellenweise richtig penetrant ein Objekt hervorzuheben versucht, um den Zusehern zu vermitteln, "Hier, um DAS geht es gerade!". Die Musik dient dem Ganzen ebenfalls als ein kontexttragendes Element. Dies geschiet zwar in jedem Film, aber in The Artist bemerkt man das erst so richtig, wie ausschlaggebend das richtige Musikstück gerade sein kann, um eine Szene zu untermalen und zu formen.

Generell erzeugt dieser Film, und dies ist meiner Meinung seine größte Stärke, im ganzen Hörsaal eine vollkommen eigene Atmosphäre, sodass der Kinobesuch ein ganz besonderes Erlebnis wird. Jedes Kichern, jedes Räuspern einer Person wird vom Rest des Publikums wahrgenommen, da einfach auf der Leinwand nichts gesprochen wird. Genial! Nach meinem Kinogang hätte ich gerne mehr solche Stummfilme im Kino gehabt. Ich empfehle jedem von euch, sich diesen Film anzusehen, solange es ihn noch im Kino spielt!

santi

6. März 2012

Kriegerin

Oh nein, kann es wirklich war sein? Gehen mir nun schlussendlich doch die Ideen zum Schreiben aus und ich leide an einer Schreibblockade? Wird mein Blog am Ende doch Opfer einer Durststrecke? Ich könnte die Leser ja anheulen, ich müsse so viel lernen. Ich könnte vielleicht eine imaginäre Konversation mit meinem Laptop simulieren. Oder vielleicht gleich eine Einleitung, die etwas mit dem Thema des Artikels zu tun hat, schreiben! Ach, hatte ich doch alles schon... irgendwie müssen neue Ideen her. Got it! Am Besten schreibe ich einfach, wie unkreativ ich zurzeit sei und springe ganz unauffällig ins kalte Wasser, brabbel sofort los ohne Punkt und Komma und keiner packt sein Leben mehr, dank diesem plötzlichen Stilbruch. Genial! Das kauft mir sicher jeder ab. Und am Ende singen sie alle Lobeshymnen auf mich! Muharhar!!!




Mein letzter Kinobesuch war eher eine spontane als eine geplante Entscheidung. Und da es um diese späte Uhrzeit leider keinen Film, der meine Begleitung und mich sonderlich interessierte, mehr spielte, entschlossen wir uns dazu, abgesehen davon ins Kino zu gehen, Kriegerin anzuschauen. Der Film erzählt die Geschichte von Marisa. Marisa hat keinen Vater mehr, eine charakterschwache Mutter, einen rechtsradikalen Freund. Sie teilt seine politischen Ansichten, verabscheut Ausländer, Andersdenkende, sozial schwache und anscheinend generell alle Leute. Sozialisierung findet zum zum Großteil auch mit deren gemeinsamen Freundeskreis, welcher exklusiv aus leidenschaftlich nationalistisch denkenden Jungerwachsenen besteht. "Das Leben ist scheiße, alles unfair. Die Anderen sind alle Schuld, nur ich nicht!", lautet deren eingeprägtes Weltbild. Der Gedanke an Eigenverantwortung kommt ihnen nicht in den Sinn und vielleicht auch nicht einmal in deren Vokabular vor. Die politische Perspektive des Filmes bleibt aber zumeist am Rande liegen und es wird eher der Umgang miteinander und der Einstieg in die Szene dargestellt, was, aus meiner Sicht, eine große Schwachstelle des Filmes ist. Ebenso können die Schauspieler nur bedingt überzeugen, abgesehen von Alina Levshin. Dieser Umstand liegt ironischerweise nicht an den Schauspielkünsten des Casts, sondern viel mehr an den zu seicht gezeichneten Charakteren. Denen kauft man ihre Existenz nämlich überhaupt nicht richtig ab. Ein offensichtlicher Nachteil diesbezüglich ist vor allem, dass es viel zu viele Figuren mit eigenen Problemen und Hintergrundgeschichten gibt, die Laufzeit des Filmes deren Entwicklungen und Veränderungen aber einfach nicht zeitgerecht abdecken kann, sodass oft nur ein, zwei oder drei Szenen für eine Erklärung herhalten müssen und das Thema dann nie wieder erwähnt wird.

Stilistisch entwickelt der Film ebenfalls keine eigenen markanten Markenzeichen. Einzig alleine der sehr gewagte Soundtrack, der zum Großteil aus selbst geschriebenen, aber lyrisch entschärften Stücken rechtsrock-orientierter Musik besteht, sticht hier immens heraus! Das Grundkonzept des Drehbuches ist an sich, genauso wie die teilweise mutige Darstellung von verbaler und physischer Brutalität, nicht schlecht. Die Neonazi-Szene wurde von David Wnendt nämlich zwei Jahre lang beobachtet und analysiert, sodass einige, vielleicht sogar viele Szenen des Filmes wirklich so geschehen sein könnten und manche Leute wirklich so denken und handeln wie die Personen auf der Leinwand.

Wie dem auch sei, früher oder später trifft Marisa den Flüchtling Rasul aus Afghanistan. Ein Streit zwischen ihm, seinem Bruder und Marisas Clique eskaliert schlussendlich, woraufhin Marisa in einem emotionalen Akt des Hasses Rasul und dessen Bruder mit ihrem Auto überfährt. Von Schuldgefühlen getrieben, überdenkt sie nun ihren eigenen Lebensstil. Als nun auch ihr Großvater, der das große Idol ihrer Kindheit, sowie Mentor und Wegbereiter für ihre menschenfeindlichen Ansichten war, an Krebs stirbt, erkennt sie nach und nach die patriachal dominierte Beziehung zu ihrem Freund und beginnt langsam den Wunsch zu hegen, aus dieser Szene auszusteigen. Ein kleiner Tipp im Vorhinein: so einfach ist das nicht!

Nun habe ich, so denke ich zumindest, euch, liebe Leser und Leserinnen, einen kleinen Einblick in den Film Kriegerin gegeben. Leider bin ich persönlich sehr zwiegespalten ihm gegenüber. Filmisch ist es absolut kein großartiges Werk und in den meisten Kategorien eher nur durchschnittlich. Der Film wirkt auf der einen Seite sehr autobiografisch, auf der anderen Seite vollkommen inhaltsleer. Als wir nach dem Abspann dann draußen an der frischen Luft unsere Nikotinsucht befriedigten, diskutierten meine Begleitung und ich über dieses Phänomen. War der Kinobesuch nun Geldverschwendung? Nein. Hat es sich ausgezahlt? Lustigerweise auch nicht so richtig. Es ist ein Film, den man wirklich nur als "Okay" bezeichnen kann...

santi

29. Februar 2012

Max Payne 3 - neuer Trailer

Leider bin ich eine Woche zu spät dran mit diesem Post hier, aber ich wollte ihn dennoch schreiben. Denn Ende Mai, Anfang Juni wird Max Payne 3 veröffentlicht und bis jetzt ließ mich diese Tatsache doch recht kalt. Die ersten Fotos aus dem Spiel zeigten mir nämlich einen muskelbepackten, in einer sonnigen, tropischen Umgebung herumlaufenden und keinen seelisch niedergeschlagenen Max mit einer durchschnittlichen Körperstatur, der einsam durch die dunklen, nassen und kalten Gassen von New York City geistert. Da die Inhalte dieser Bilder, aus meiner Sicht, nichts mehr mit den Film Noir Meisterwerken von den Finnen von Remedy zu tun hatten, stieß die Idee einer erneuten Fortsetzung auf viel inneren Widerstand bei mir. Die Geschichte war mit den ersten beiden Teilen eigentlich sehr komplex, rund und vorallem abgeschlossen. Warum dann einen dritten Teil? Irgendwie war die Meldung, ein weiteres Spiel käme heraus, darum reine, seelenlose Geldmacherei für mich.




In diesem neuen Trailer wirkt Max zwar immer noch nicht wie er selbst, wie jemand, der auf Rache sinnt, sondern eher wie ein Söldner, der die Arbeit anderer vollrichtet, aber dennoch scheint es so, als sei ein bisschen seiner charakterauszeichnenden Verzweiflung und Melancholie erhalten geblieben. Das Spiel wird definitiv NICHT an die ersten beiden Teile herankommen, das weiß ich jetzt schon. Aber vielleicht wird es doch nicht so ein großer Reinfall, wie ich anfangs befürchtet hatte, und der Titel von Rockstar wird tatsächlich ein ganz interessantes Spiel. Bleibt halt abzuwarten, bis das Spiel endlich draußen sein wird und die ersten Gameplay-Videos ins Internet gestellt werden.

santi

11. Februar 2012

Bahnwärter Thiel

Eigentlich hatte ich ein Experiment geplant. Nämlich den Film Tree of Life zusammen mit dem Buch Bahnwärter Thiel in einem Review zu kombinieren und zu vergleichen. Beide, Regisseur Terrence Malick und Autor Gerhart Hauptmann, bedienen sich in ihren Werken nämlich exzessiv dem Stilmittel Bildersprache. Da aber ein so langer Text meine LeserInnen höchstwahrscheinlich langweilen würde und mir komparatistische Arbeiten wohl eher weniger liegen, entschloss ich mich dagegen und zaubere einfach ein zweites Review aus dem Ärmel. Wenn sich jemand nicht für Bücher interessieren sollte, der kann jetzt getrost das Browserfenster schließen und gehen. "Tschüss Leute!!!" *aufsteh und den Raum verlass*





.....





Haha nein, nur Spaß! Zwar ist allgemein bekannt, dass ich nicht der größte Bücherliebhaber bin, aber wenn die Geschichte gut und einnehmend erzählt ist, sowie das Buch mich nicht mit einer krotesken Anzahl an Seiten demotiviert, lese ich gar nicht so ungerne. Zwar schlafe ich meistens sofort nach zehn Seiten ein, aber lustig ist es trotzdem. Und speziell dieses Buch, mit einer Reklamausgabe von nur sechzig Seiten, kommt mir hier sehr entgegen. ... Ich sollte wirklich mehr lesen, oder? -.-


Die Hauptfigur ist der titelgebende Thiel. Dieser lebt ein einfaches und schlichtes Leben. Er steht auf, arbeitet im Schichtdienst als Bahnwärter, kommt nach Hause und schläft wieder. Seine Liebligsabwechslung ist der sonntägliche Gang in die Kirche. Erstaunlichweise hat er sogar eine Frau. Eigentlich könnten beide nicht unterschiedlicher sein. Er: groß, muskulös und stark, raue Haut. Sie: klein, grazil, schlank, sanfte Haut. Die einzige Gemeinsamkeit, die sie besitzen, ist wohl ihre Verschwiegenheit. Nach geraumer Zeit bekommen sie ein Kind zusammen, welches sie Tobias taufen. Natürlich kümmert sich Thiels Frau um das Baby, da Thiel ja arbeiten muss. Da so eine Geschichte aber keine Motivation liefert, weitergelesen zu werden, lässt Hauptmann, genau wie Malick in The Tree of Life, eine Figur sterben. Eine Tragödie ist doch gleich viel lesenswerter! Doch anders als Malick, lässt Hauptmann nicht ein Kind, sondern die Ehefrau sterben, was Thiel nun mit der Erziehung von Tobias alleine lassen würde. Daher sucht er sich nach einer kurzen Weile eine neue Frau, welche das vollkomme Gegenteil seiner ersten Gattin zu sein scheint. Ich könnte jetzt mit Adjektiven um mich werfen, aber wenn ich den Begriff "mollige, starke Bauernfrau" fallen lasse, wird der Großteil von euch schon wissen, was ich meine. Diese sieht tatsächlich immer noch eine Bedrohung ihrer Ehe durch Tobias, da er ja die Brut ihrer Vorgängerin war. Neid und Machtwünsche äußern sich dadurch, dass sie, die zweite Ehefrau (mir will der Name einfach nicht mehr einfallen), Tobias schlecht behandelt, schickaniert und teilweise sogar psychischer Folter oder physischer Gewalt aussetzt. Fast schon so, als ob sie einen Eindringling oder ein Ungeziefer loswerden will.

Soviel mal zur Inhaltsangabe. Zu viel will ich euch ja nicht verraten, da ihr selber lesen solltet, wie Thiel auf dieses Verhalten seiner neuen Ehefrau reagiert und welche Konsequenzen gezogen werden. Wie bereits erwähnt, spricht die Hauptfigur Thiel nur sehr wenig. Dadurch kommen logischerweise auch nicht viele Dialoge mit den anderen Charakteren der Geschichte zustande. Wenn man nun eine Geschichte erzählen will, die Personen in dieser aber nicht sehr viel miteinander reden, was bleibt einem dann noch übrig, um die Emotionen und Gedanken der Figuren zu expressieren? Genau! Man lässt die Umwelt einfach die Gefühle darstellen. Wenn nun Thiel zum Beispiel einen beunruhigenden Gedanken hat, beschreibt der Autor einen Sturm, der zeitgleich draußen tobt. Hat sich sein Gemütszustand beruhigt, so beschreibt er einen sanften Sonnenuntergang. Durch den krassen Mangel an verbaler Informationsübertragung bleibt dem Leser/der Leserin auch genug freier Interpretationsraum bezüglich der Gedanken Thiels. *Thumbs up*

Auf der anderen Seite kann dieser Freiraum aber auch fatal werden. So ist oft nicht verständlich, warum zur Hölle nie Tacheles geredet wird, sondern lieber beschrieben wird, wie stark der Wind weht oder wie hoch die Sonne gerade steht. Dennoch fand ich Bahnwärter Thiel ganz lesenswert und empfehle es, als schnelle Lektüre für zwischendurch, durchaus weiter. Besonders zugesagt hat mir, dass die Heranziehung von Metaphern als Parallele für eine potentielle Psychoanalyse des Hauptcharatkeres wesentlich besser funktioniert hat als bei Malick.

santi

10. Februar 2012

La piel que habito

Getreu meinem "februaischen" Motto (hihi Monatsnamen in Adjektive umzubilden ist sinnlos und höchst amüsant zugleich) folgt ein weiterer Artikel, welcher verstaubt in den Tiefen meines Entwurfkellers vor sich hinschlummerte. Dieses Mal handelt es sich um einen Film, den ich mir Anfang Dezember bereits im Kino ansah, aber meine Gedanken diesbezüglich nie virtuell oder real niederschrieb. Vamonos!


La piel que habito (Die Haut, in der ich wohne) ist eine spanische Produktion aus dem Jahr 2011. Was den Film nun so besonders macht, ist nicht die Tatsache, dass sie alle Spanisch sprechen. Nein! Sondern die überaus außergewöhnliche Handlung. Die Hauptfigur Robert Ledgard (leider kein sehr spanischer Name), hervorragend gespielt von Antonio Banderas, trägt nämlich seit Jahren die Last mit sich, seine Frau bei einem tragischen Autounfall verloren zu haben. Sie erlag nämlich ihren Verbrennungen. Da er selbst ein Chirurg ist, steigt er kurz darauf in die experimentelle Schönheitschirurgie um und versucht eine neue Haut zu entwickeln, welche immun gegen Verbrennungen werden soll. Zuhause hält er sich deshalb, anders kann ich es leider nicht formulieren, eine junge Frau, die sich scheinbar freiwillig dazu bereiterklärt hat, sich Teile dieser neuen Haut transplantieren zu lassen. Doch an der Freiwilligkeit hapert es ein klein wenig, verbringt die grazile Dame ihren Alltag doch stets in ein und dem selben Zimmer eingesperrt und wird von Überwachungskameras permament beobachtet. Daaaaa kann ja was nicht stimmen! Das ist kurzum die Basis der Geschichte, die nach und nach immer ein wenig mehr upgefuckter wird. In der Vergangenheit ist nämlich die Tochter Roberts das Opfer einer versuchten Vergewaltigung geworden. Das erlittene Trauma projeziert sie aber auf ihren Vater, sodass sie in ihm den Täter sieht und schlussendlich sogar Suizid begeht. Das belastet diesen wiederrum so sehr, dass er sich auf die Suche nach dem wahren Täter macht. So wird also zuerst die Gegenwart gezeigt, dann die Vergangenheit. Am Ende des Filmes schließt dann die Vergangenheit endlich auf, sodass der Zuseher/die Zuseherin die Geschichte der Gegenwart besser verstehen kann und warum die Charaktere am Ende so handeln, wie sie es tun. Ein ziemlich interessanter Erzählstil also. Hat mich sogar ein bisschen an das Werk Memento erinnert.

Der Film beinhaltet auch einen recht kleinen und sehr überschaubaren Cast, wodurch sich die Entfaltung der Handlung auf wenige Charaktere beschränkt und diese besser beleuchtet werden können. Man merkt eindeutig, dass es keine Hollywood Produktion ist, aber die Darsteller geben stets ihr Bestes. Besonders Antonio Banderas hat stets einen genialen Blick drauf, wie es ein wahnsinnig werdender Schönheitschirurg wahrscheinlich tatsächlich hätte. Zumindest stelle ich es mir so vor, aber gesehen habe ich, zugegebenermaßen, noch keinen.

Es ist von vornherein klar, dass es sich um keinen spektakulären Kinofilm handelt, sondern um einen abendfüllenden Fernsehfilm für erwachsenes Publikum, aber dennoch ist es der Film wert gesehen zu werden. Mir sind die zwei Stunden im Kinosaal jedenfalls wie im Flug vergangen und die paar Euro habe ich gerne dafür bezahlt. Und nur zu gerne wäre ich sogar noch länger dort sitzen geblieben, um zu erfahren, wie es nun weitergehen wird. Da es sich aber nunmal um ein Melodram handelt und um keinen actiongeladenen Thriller, wird der Film wohl nicht jedem zusagen.

santi

6. Dezember 2011

The Tree of Life

Da mein Blog bis jetzt relativ gute Kritik erntete, bat mich ein Freund vor Kurzem, um genau zu sein vor über einem Monat schon, um meine seriöse Meinung *hihihi ich und seriös* bezüglich eines Filmes. Ganz genau, ich meine DICH! Muharhar ich liebe es, Freunde mit einem Mindfuck zu begeistern. Selbstverständlich habe ich mir diesen Film dann auch angesehen, … mehr oder weniger. Damals bei Citizen Kane habe ich es nämlich auch nie geschafft, über die Ein-Stunden-Marke hinauszukommen, da ich immer einschlief. Selbes Schicksal ereilte mich bei dem Titel Tree of Life.


Ein Mann geht auf die Bühne und schaut aus dem Fenster seines Hauses. Dort sieht er seine Kinder draußen im Garten spielen und tollen. Er scheint zufrieden mit der Welt zu sein. Seine Persönlichkeit lässt sich als fürsorglich, aber streng beschreiben, will er doch, dass seine Söhne große und starke Männer werden, die nichts in der Welt zu fürchten brauchen. Das Gegenteil zu ihm ist seine Ehefrau. Eher distanziert, aber sehr emotional. Eines Tages bekommt sie einen Brief, dass einer ihrer drei Söhne verstorben ist. Während dieser Szene, wird kein Wort gesagt, nur Gesichter und vom Gartenbaum herabfallende Blätter gezeigt. Die dargestellte Botschaft ist nicht zu übersehen. Ein Schnitt erfolgt im Film und man sieht einen Mann (im Alter zwischen 40 und 50 Jahren) auf seinem Bett und neben seiner Frau aufwachen. Wieder ein Schnitt und die ZuseherInnen befinden sich Unterwasser, sie sehen wie sich die Wellen an der Oberfläche brechen und hören deren dumpfe Geräusche. Ein klares Zeichen für die innere Unruhe, die der Mann mit sich herumschleppt. Eine Kamerafahrt zeigt die Behausung des Mannes. Gerade Linien, weiße Wände und Designermöbel prägen die Gemächer dieses Ehepaares. Ein Einblick auf seine Charakterzüge? Vielleicht hat er immer noch nicht herausgefunden wer oder was er ist. Vielleicht will er auch einfach nicht in dieser Welt verweilen und hält sein Haus deshalb möglichst steril? Fragen über Fragen. Ein weiteres Bild folgt und man sieht einen Dinosaurier über einen Fluss gehen. Ein Indiz dafür, dass der Mann schon langsam älter wird und seine Gebrechlichkeit immer mehr wahrnimmt, aber dennoch gewisse Hürden meistern will. Vielleicht ein Kampf gegen das Alter, gegen das Aussterben. Wie bei dem werten Herr Dino

Solche Bilder definieren diesen Film und tragen die Handlung in der ersten halben Stunde, und immer noch wurden nicht einmal zehn Sätze gesprochen. Der Regisseur hasst seine eigene Stimme offenbar so sehr, dass er nicht einmal die Figuren in seinem Film Dialoge führen lässt. Eine Aussicht auf etwaige Änderungen in der Stilistik ist nicht zu erkennen. UND DAS GANZE DAUERT AUCH NOCH ÜBER ZWEI STUNDEN!!! Kein Wunder, wenn da so mancher Cinephile (Filmefanatiker) den Kinosaal verlässt und sein Geld zurückhaben will. Bildersprache schön und gut, aber es kann mir niemand erzählen, dass dieser Film Ästhetik ausstrahlt, wenn mir alle möglichen Metaphern serviert werden. In Regisseur Terrence Malicks Augen galt dieser Film als Experiment, aber er drückt hier viel zu viel auf die „Ich will jetzt poetisch sein“-Tube und übertreibt damit maßlos. Ich will nicht zwei Stunden lang Metaphern an den Kopf geworfen bekommen, weil er meint, dass dies tiefgründig sei. Ist es nämlich nicht! Hinzukommt, dass, falls er wirklich in jede verdammte Szene eine Botschaft einbringen will, dies mit der Form der Metapher eher ein Missgeschick ist. Denn „Metapher“ definiert sich als ein bildhafter Vergleich für eine bereits existierende Bedeutung, die aber nicht explizit ist, sondern durch und durch subjektiv vom empfangenden Individuum interpretiert werden kann. So denken manche Leute bei der Metapher „schreiende Farben“ vielleicht tatsächlich an einen Eimer blauer Farbe, der gerade von Grün oder Rot abgestochen wird, und nicht an knallbunt gestrichene Hauswände, welche mit Lebhaftigkeit, Kreativität und Lebensfreude, vielleicht sogar Optimismus gedeutet werden können. Sich die Freiheit zu nehmen, Assoziationen der Bildersprache nur in eine Richtung zu lenken und sie dem Zuseher/der Zuseherin aufzudrücken, ist, meiner Meinung nach, etwas zwischen naiv, arrogant und kurzsichtig. Witzig finde ich übrigens, dass der Zuschauer bereits bei dem Kinoplakat (oben zu sehen) davor gewarnt wird, er/sie werde jetzt mit Bildern erdrückt werden.
Sonnenerutpion oder menschliche Eizelle? Bessere 
Frage: Was hat das gezeigte Bild mit Psychostudie,
Poesie oder generel, der Handlung zu tun?

Hinzukommt auch noch die bereits erwähnte Länge des Filmes. Wäre es ein Kurzfilm, würde sich meine Kritik sicher etwas mehr im Zaum halten und meine Ansicht über die Anwendung der Bildersprache in diesem Film sicherlich nicht so negativ ausfallen. Aber boah, zwei Stunden. Ernsthaft? Nicht einmal mit drei Dosen eines x-beliebigen Energydrinks halte ich das durch. Und ganz ehrlich: ich leide lieber, aufgrund von einer Koffeinüberdosis, an einem Herzkaschperl, als mir Tree of Life noch einmal ansehen zu wollen/müssen.

Zu den Darstellern kann ich leider nicht so viel sagen. Brad Pitt, Sean Penn und Jessica Chastain sind zwar auf der Leinwand zu sehen, aber irgendwie auch. Ihre Präsenz als individuelle Figuren oder Schauspieler ist vollkommen belanglos. Da sowieso nur sehr wenig konversiert wird, hätte man genausogut drittklassigere Darsteller engagieren können. Mich zum Beispiel! Das Geld hätte ich gut brauche können. 
Achja: der Soundtrack. Genauso "random", wie die Bilder, die gezeigt werden.

Mein Resümee:
fehlgeschlagenes psychologisches Pseudoporträt - nicht für Unterhaltungskino geeignet - wenn man Masochist ist und sich für Poesie interessiert, kann man sich den Film sogar anschauen. Ich habe auf jeden Fall schon in der ersten halben Stunde zweimal pausieren müssen. Gott segne die Pausefunktion. Vielleicht irre ich mich aber auch und der Film entwickelt sich genau nach der 30.Minute zu einem bombastischen Meisterwerk und sehr sehenswerten Film, genau wie Citizen Kane.

santi

23. November 2011

Hesher

Ja ja, ich weiß. In letzter Zeit sind neue Artikel von mir selten zu lesen. Dies lässt sich auf drei simple, aber dennoch bedeutende Faktoren zurückführen. Erstens: hatte ich einfach keine Ideen für Reviews und keine Zeit, mich in ein Spiel oder einen Film hineinzuvertiefen. Zweitens: hört auf mich zu loben! Dadurch bekomme ich tatsächlich die Angst, meine zukünftigen Texte werden sowieso nicht an das Niveau der vorangegangen herankommen und lasse es deshalb gleich bleiben. Und drittens der wahrscheinlich wichtigste Punkt: meine LE.....wait for it....THARGIE! Ganz genau, liebe Leserinnern und Leser. Die mentale Projektion meiner physischen Existenz definiert sich selber nämlich als Reinkarnation der Faulheitsgötter! Warum diese so unbekannt sind, fragt ihr mich? Einfache Erklärung: Faulheitsgötter sind einfach zu faul, um sich eigene Götzenbilder auszudenken und zu schaffen, oder überhaupt irgendwas in der menschlichen Dimensionsebene zu tun, um auf ihr Vorhandensein aufmerksam zu machen. Nicht etwa so wie der Blutgott Khorne!
So, nachdem ich mir nun irgendeine Einleitung aus den Fingern gesaugt habe und ihr euch vor staunen über meine Absurdität sicherlich kaum noch im Sessel halten wollt, kann ich ja mit dem eigentlichen Artikel beginnen!


Hesher ist ein Filmdrama, das sich um das Leben von TJ (auch oft "Teach" genannt) dreht. Dieser lebt mit seinem arbeitslosen und höchst depressiven Vater und seiner Großmutter zusammen, die auch seine einzigen sozialen Kontakte darstellen. Hinzu kommen auch noch die Tatsachen, dass er seine Mutter vor Kurzem erst bei einem Autounfall verlor und dass er in, sowie auch außerhalb der Schule, von einem Raudi gemobbt und verprügelt wird. Sein Leben ist also nicht ganz einfach. Aus Frust über seinen derzeitigen Lebenszustand schmeißt er, nach einem kleinen Sturz vom Fahrrad, eine Fensterscheibe eines scheinbar unbewohnten Hauses ein. "Scheinbar unbewohnt" stellt sich aber als fatal heraus, da nämlich doch jemand dort wohnte, bzw. hauste. Nämlich die titelgebende Figur Hesher. Dieser ist von Teachs Ausfall gar nicht entzückt, da das zerbrochene Fenster die Polizei anlockt und Hesher sich daraufhin eine neue Bleibe für sein Vagabundenleben suchen darf. Hesher ist nämlich ein Anarchist, Rocker und Freigeist, wie er im Buche steht, und scherrt sich um keinerlei soziale Konsequenzen oder gesellschaftliche Moralvorstellungen. Er zieht von Ort zu Ort und möchte sich eigentlich an niemanden oder etwas sonderlich lange binden. Die einzigen materiellen Güter, die er besitzt, sind seine Kleider, eine Gitarre und ein verbeulter Van. Das Problem einer neuen Herberge ist auch schon prompt gelöst, nistet er sich einfach bei dem Übeltäter ein, welcher sein schönes Fenster zerstörte, Teach! Dieser ist von Heshers Direkt- und Rücksichtlosigkeit so baff, dass er dessen Besetzung der Garage vorerst nicht ganz zu realisieren vermag. Die Großmutter scheint über eine weitere Seele im Haushalt sogar recht enzückt zu sein und sein Vater, depressiv wie er ist, kümmert sich nach einer Stunde schon nicht mehr um den Fremdling. Daraufhin beginnt für die vom Schicksal gebeutelte Familie eine brutale Lehrstunde durch Hesher, der die Probleme stets provokant und simpel ans Tageslicht bringt.

 Joseph-Gordon Levitt als Hesher
...in Unterhose, versteht sich.

Soviel mal zur Story. Zu viel spoilern will ich ja nicht, soll sich der/die LeserIn den Film doch selber anschauen. ;) Dann schreibe ich halt über ein paar andere Aspekte des Filmes, um meinen Artikel jaaaaaaaaa in die Länge ziehen zu können. Muharhar *böses Lachen* 
Zu den Schauspielern sage ich mal, dass sie ALLE grandios ihre Arbeit machen. Außer Natalie Portman. Warum bekam die nochmal nen Oscar?! Wenigstens nicht für ihre Darstellung hier. Rainn Wilson verinnigt die Rolle des niedergeschlagenen, kaputten, depressiven Familienvaters, wie es sonst niemand besser könnte. Devin Brochu als Teach wirkt ebenfalls vollkommen hilfslos in seinem Leben, so hilflos, dass man ihn fast schon anschreien oder knuddeln möchte. Ihnen beiden, Teach (als fiktive Figur) und Devon Brochu (asl der Realdarsteller) scheinen Hesher tatsächlich viel zu upgefuckt zu sein, sodass Devon/Teach echt keine Ahnung hat, wie er mit manchen Situationen umgehen soll. Und ja Hesher... wenn euch Joseph-Gordon Levitt in Inception, GI Joe oder 500 Days of Summer schon gefiel, dann werdet ihr ihn in diesem Streifen lieben! Seine Performanz verdient sogar drei Ausrufezeichen!!! Zwar ist "Hesher" als Drama gedacht und setzt es auch als solches prima um, aber für die Humoristen unter euch wird es auch viele WTF-Momente geben, denn schwarzer Humor ist keine Mangelware. So raucht sich in einer Szene Hesher mit Teachs Großmutter mit Marihuana ein, klettert in Unterhose einen Strommast hoch, um den Pornokanal freizuschalten, und erzählt abenteuerliche Geschichten von Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Dagegen ist der Mindfuck in meiner Einleitung das Frühstück und Hesher ist das 5-Gänge-Menü zum Dinner.

Mensch hat zwar den Eindruck, dass der Film nur vor sich hinplätschert, kein konkretes Ziel vor Augen hat und sich eine seltsame Szene an die andere reiht, aber am Ende wird eine klare Moralbotschaft erkennbar. Die Lektion des Lebens, die Hesher Vater und Sohn erteilt, gipfelt schlussendlich im Klimax der Geschichte, an welcher Vater wieder nach Arbeit sucht und seine Depression überwindet, und Sohn an Charakterstärke und Selbstbewusstsein dazugewinnt. Manchmal braucht man halt einen Engel, um aus einer miseren Lage herauszufinden. Und manchmal ist dieser Engel ein kiffender, gewaltbereiter, bizarrer, selbstzerstörerischer und beleidigender Anarchorocker... man weiß halt nie.

santi