9. Januar 2012

Frozen Synapse

Endlich ist es wieder so weit: ein neues Review! WUUUUUH….ich verlange schon ein bisschen mehr Applaus von euch!  Eigentlich nicht. Ich würde es auch so schreiben und ohne eure Zustimmung hochstellen. Die Ironie an der Sache ist tatsächlich, dass ich nicht einmal genau weiß, mit wem ich gerade spreche und in diesem Sinne quasi ein episches Selbstgespräch mit meinem Laptop führe.  Dann brauche ich mich eigentlich auch gar nicht darum zu kümmern, was IHR lesen wollt, sondern frage einfach meinen Laptop. Dessen Prozessoren sind wahrscheinlich eh um einiges intelligenter als ich.
„Hey, Lappi! Was magst du denn lesen?“.
*Biep* “Frozen Synapse.“ *Biep*
Problem gelöst. Ausgezeichnet!
*Biep* „Aber dieses Mal mit ein bisschen mehr Niveau.“ *Biep*
„Ich schreibe seit vier Jahren auf deiner Tastatur und das sagst du mir JEEEETZT?!?! Außerdem kennst du mich sicher gut genug, um zu wissen, dass das nicht machbar ist.“
Ihr habt es gehört! Lappi und ich sind uns einig, dass ich mit gewohnter Leichtigkeit und pseudo-spaßiger Sinnlosigkeit meinen nächsten Artikel erfolgreich eingeleitet habe. Auf geht’s!


Stellt euch vor, es wäre Krieg, und keiner geht hin… außer euch, euren Kontrahenten und ein paar unbeteiligten Zivilisten. Als Krieg kann man diese Auseinandersetzung auch nicht bezeichnen. Eher als ein Guerillakampf. Wobei es von den meisten Teilnehmern als heiliger Kreuzzug gegen Überwachung, Technologie, Kapitalismus und Entmenschlichung verschleiert wird. Nein, hier geht es nicht um Deus Ex, lest weiter! In naher Zukunft werden den meisten Menschen nämlich von der Regierung oder privaten Großkonzernen, die sowieso Hand in Hand miteinander Tango tanzen, Nano-Chips eingepflanzt, sodass man sie jederzeit in einem virtuell visualisierten Netzwerk sehen kann. Durch dieses neuentwickelte und sich schnell etablierende System können so auch Kriminalitätsrate und Bevölkerungswachstum überwacht und kontrolliert werden. Die Nachteile sind offensichtlich: Einschränkung der Meinungsfreiheit und der Intimsphäre. Früher oder später muss es ja dann mal passieren, dass jemand aufsteht und „Fuck that shit!“ sagt.

Wie Lappi euch sicher schon verraten hat, geht es in diesem Review um das Videospiel Frozen Synapse. In diesem Spiel übernimmt der Spieler/die Spielerin nun nicht etwa die Rolle eines Menschen, sondern tatsächlich eines Computerprogramms namens „Taktik“. Richtiiiiiig, es handelt sich um ein Strategiespiel. Dieses Programm wird von solchen Fuck-that-shit Regierungsgegnern entdeckt und für die eigenen Interessen verwendet. Woher ihr genau kommt und wofür ihr eigentlich programmiert wurdet, weiß zu Beginn der Geschichte noch niemand. Fakt ist aber, dass ihr Einsicht auf dieses virtuelle Netzwerk habt. Sein wir uns mal ehrlich. Eine Regierung, die so viel Macht hat, wird sie freiwillig und auf demokratischer Basis wohl kaum wieder hergeben. Da durch die Nano-Chips aber die freie Meinung sowieso immens beeinträchtigt ist, kann von Demokratie keine Rede mehr sein. Die logische Konsequenz? „Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht.“ (Bertolt Brecht) Ergo folgt der bewaffnete Widerstand. Da die dilettantischen Milizen der Oppositionellen leider sehr schlecht ausgebildet sind, sollt ihr ihnen einen Vorteil erschaffen. Und hier kommt auch schon das Stichwort Spielmechanik!

 Diese Lobby gilt es zu verteidigen.
Links in grün: eure Einheiten
Rechts in rot: euer Gegner
Gelb: Verbündete

Wichtigster Aspekt ist wohl die kämpferische Auseinandersetzung mit anderen paramilitärischen Trupps. Aus 2D-Vogelperspektive seht ihr nun das Spielfeld. Sporadisch werden neben euren und den gegnerischen Einheiten, auch halbhohe und hohe blaue Blöcke dargestellt. Halbhohe sind in der Realität kleine Hindernisse, die Deckung bieten, wie Kisten und Autos. Hohe Blöcke sind ganze Mauern bzw. unüberschaubare Hindernisse. Ihr als Computerprogramm, seht aber immer nur die virtuellen Abbildungen (sogenannte „Shapes“) von diesen Personen und Gegenständen und könnt auch über sie hinwegsehen (da Vogelperspektive). Dank den eingepflanzten Nano-Chips sollt ihr euren Truppen nun Anweisungen erteilen, was sie in der Realität tun sollen, weil sie ja nicht über die Mauern hinweg sehen können, ihr aber schon. *zwinker zwinker* Ziel ist es, rundenbasiert, die feindlichen Soldaten zu eliminieren, Bomben zu legen, Geißeln zu retten oder zu beschützen, oder Attentate auszuführen. Den Soldaten kann man rudimentäre Befehle wie „lauf dorthin“, „Ducken“, “ziele dorthin“, „ignoriere diesen Gegner“ und so weiter geben. Einen Zeitmesser gibt es auch. So kann man einen Soldaten nach Punkt A schicken, ihn dort für 2,5 Sekunden sitzen und nach links zielen lassen, und danach weiterschicken nach Punkt B. Das besondere an der Umsetzung dieses Spielprinzips ist aber, dass während der Planung des nächsten Zuges per Abspielknopf jederzeit angesehen werden kann, was potentiell in den nächsten 5 Sekunden passieren könnte. Hat man seine Planung nun beendet, klickt man auf „Prime“ und in den darauffolgenden Sekunden, habt ihr keinerlei Einfluss mehr auf das Spielgeschehen oder die eigenen Einheiten. Der Gegner überlegt sich seinen Zug nämlich zeitgleich mit euch und genauso werden beide Planungen dann auch umgesetzt. Beide Spieler schauen nur zu. Das simple Schachprinzip: „du bist dran, ich bin dran, du bist dran, ich bin dran“, gibt es hier nicht. Man versucht herauszufinden, was sein Gegenüber nun vorhat und ihm, wenn möglich, einen Strich durch die Rechnung zu machen. Ein psychologisches Um-die-Ecke-denken wird einem nicht erspart bleiben. Auch hier liegt ein fundamentaler Nachteil. Das Spielprinzip ist eindeutig auf den Mehrspielermodus gegen andere menschliche Spieler ausgelegt. Wer aber eher ein Einzelspielspieler ist, wird hier in der Kampagne früher oder später wirklich verzweifeln, denn gegen die KI hat man in späteren Leveln, sowie auf höheren Schwierigkeitsgraden, fast keine Chance mehr. Während des Berechnens, kann sich die KI nämlich euren Zug ansehen und euch so fast um euren genial erarbeiteten Sieg betrügen.
„Lappi, hör auf zu lachen!“ >.<

 Wie man seinen nächsten Zug planen kann.

Wie ihr sicher aus meiner Schilderung erkennen könnt, wurde der Grafik offensichtlich nicht gerade sehr viel Aufmerksamkeit geschenkt. Aber nur augenscheinlich. Denn dies ist pure Absicht, da man die Darstellung des virtuell visualisierten Netzwerkes simpel halten wollte, mit Hauptaugenmerk auf die taktische Auseinandersetzung. Das Grundgerüst der Geschichte kennt ihr nun auch schon. Was ihr noch nicht wisst, ist, wie diese erzählt ist. Nämlich mit Text… ja, Text. Ohne Sprachausgabe. Dies ist zwar nichts neues für mich, da ich doch recht viele ältere Point-and-Click Adventure gespielt habe, aber die Charaktere in Frozen Synapse kommen so gar nicht rüber und wirken fast noch seelenloser als die Side-Kick-KI, die meiner Meinung nach eine grandiose, wenn auch sehr auffällige Kopie von Glados aus Valve’s Portal ist. Zynismus und schwarzer Humor, bis das Fass voll ist. Herrlich! Trotzdem finde ich die potentiell sehr interessante Story sehr schwach erzählt und kaum mitreißend. Nebeninformationen kann man sich ebenfalls, durch Nachrichtenberichte und Dialoge mit anderen Charakteren, holen. Da dies aber meist viel zu langweilig ist, verzichtete ich nach der fünften „Konversation“ bereits darauf und wollte nur noch in den nächsten Level.
Der Soundtrack ist ebenfalls sehr schlicht gehalten. So gibt es zirka 2-3 Tracks, die man in Endlosschleife zu hören bekommt. Dennoch klingen sie passend, da sie sich sehr ungewöhnlich und futuristisch anhören. 
Was mir auch noch negativ aufgestoßen ist, sind die immens langen Ladezeiten zwischen den Zügen. Wenn es die Civilizationreihe hinbekommt, mehrere K.I.s zeitgleich zu navigieren, warum schafft das dann nicht auch Frozen Synapse mit zehn kleinen Hampelmännchen?!?!

Jede Person, die SciFi-Filme wie Matrix, I Robot, The Minority Report und Equilibrium mag bzw. auf Dystopien steht, denen wird die Geschichte dieses Spieles ebenfalls sehr gut gefallen. Moralische Überlegungen wie es sie schon in dem Spiel Deus Ex gab, sind auch nicht zu übersehen. Die Idee mit dem Kampfdesign, die Spieler in rundenbasierten Kämpfen zeitgleich ziehen zu lassen, ist auch erfrischend ungewöhnlich. Suchtpotential hat das Spiel also allemal und ich würde den Storymodus auch liebend gerne weiterspielen, wäre es halt nicht so fu**ing schwer.

santi

16. Dezember 2011

Weihnachts-Special!

Normalerweise schreibe ich ja nur über Filme und Spiele, aber heute brachte mich ein Freund auf die Idee, meinen Blog auch für andere Sachen nutzen zu können. *hust*Linkspropaganda*hust* Nein nein, keine Sorge, nichts dergleichen.....noooch nicht.*muharhar* Denn heute habe ich euch, weil Weihnachten vor der Türe steht, eine lustige Weihnachtsgeschichte zu erzählen, liebe Kinder!

Es war ein mal der Weihnachtsmann. Nennen wir ihn Santi Claus! Liebend gerne beschenkte er seine Mitmenschen mit kleinen Gaben, in der Hoffnung, sie ein bisschen fröhlicher stimmen zu können, in dieser tristen, kalten und nassen Jahreszeit. Nur leider waren es viiieeel zu viiieeele Menschen, die er beschenken wollte. Daher richtete er sich eine kleine, illustre Arbeitergemeinschaft ein, die ihm dabei helfen sollte, die Pakete in die entlegensten Winkel der Erde zu bringen. Statt Elfen nennen wir seine Gehilfen lieber aPOSTel. Nun brauchte Santi Claus nur noch zu einer solchen Transferstelle gehen, wenn er ein Paket abholen wollte. Gesagt getan, machte er sich fröhlich auf den Weg, in der Hoffnung, seine fleißigen Bediensteten würde ihre Arbeit tatkräftig und eifrig verrichten. Angekommen zeigte er auch schon seine Liste mit der angeforderten Bestellung vor, welche freudig von einem seiner aPOSTel entgegengenommen wurde. Dieser antwortete "Jaaa, Meister!" und machte sich geschwind auf den Weg in den Lagerraum. Und dann geschah das Undenkbare, Kinder! Es brachen nämlich POSTmolekulare Interferrenzen aus und der arme, kleine aPOSTel fand das Paket einfach nicht. Zwar konnte Santi Claus sein Geschenk im allerersten Regal (oberstes Fach) schon erspähen, machte sich aber nichts daraus, da dieses Exemplar des Handlang...des Gehilfen neu in dem Paketzustelltdienstgeschäft war und noch Erfahrung sammeln musste. Nach etwaigen Minuten reichte es aber schließlich auch dem Weihnachtsmann und so entschloss dieser sich, einen anderen seiner Handlan....Gehilfen darum zu beten, dem Praktikanten doch zu unterstützen. "Warum kichern Sie denn, wenn Sie schon länger warten?", fragte dieser ihn zuerst. Woraufhin Santi Claus entgegnete, "Ach ich habe ja nichts gegen warten. Ich bewundere nur, wie mein Paket mich seit zehn Minuten anlächelt, aber es dennoch mit großer Effizienz schafft, sich von dem Kollegen zu verstecken." So dachte der Weihnachtsmann tatsächlich kurz, er habe ein Teenage Mutant Ninja Paket bestellt. Doch unmittelbar bevor die POSTapokalypse ausbrach, fand der arme, kleine Handla....Gehiiiilfe endlich das gesuchte Geschenk. "Mein Schaaaaatz!", flüsterte Santi, als er seine Bestellung in Händen hielt und konnte, fröhlich und zufrieden, doch noch seine Mission weiterführen. Leider, auf offener Straße angekommen, wurde er aber von einem riesigen, fetten, rot-weißen, mit Wolfzähnen keifenden Cola Truck brutal niedergewalzt!! So starb die Geschichte um den Weihnachtsmann und wurde schlussendlich zur Legende...

POST mortem folgt natürlich die Moral von der Geschicht': 
Die Post bringt allen was, nur euer Paket nicht...

santi


POST scriptum:
Mit der Bezeichnung als Meister wollte ich nur meinen Größenwahn zum Ausdruck bringen. Mich hat nämlich noch nie jemand Meister genannt. Grrr! >.<
Und natürlich bin ich nicht dabei gestorben...

6. Dezember 2011

The Tree of Life

Da mein Blog bis jetzt relativ gute Kritik erntete, bat mich ein Freund vor Kurzem, um genau zu sein vor über einem Monat schon, um meine seriöse Meinung *hihihi ich und seriös* bezüglich eines Filmes. Ganz genau, ich meine DICH! Muharhar ich liebe es, Freunde mit einem Mindfuck zu begeistern. Selbstverständlich habe ich mir diesen Film dann auch angesehen, … mehr oder weniger. Damals bei Citizen Kane habe ich es nämlich auch nie geschafft, über die Ein-Stunden-Marke hinauszukommen, da ich immer einschlief. Selbes Schicksal ereilte mich bei dem Titel Tree of Life.


Ein Mann geht auf die Bühne und schaut aus dem Fenster seines Hauses. Dort sieht er seine Kinder draußen im Garten spielen und tollen. Er scheint zufrieden mit der Welt zu sein. Seine Persönlichkeit lässt sich als fürsorglich, aber streng beschreiben, will er doch, dass seine Söhne große und starke Männer werden, die nichts in der Welt zu fürchten brauchen. Das Gegenteil zu ihm ist seine Ehefrau. Eher distanziert, aber sehr emotional. Eines Tages bekommt sie einen Brief, dass einer ihrer drei Söhne verstorben ist. Während dieser Szene, wird kein Wort gesagt, nur Gesichter und vom Gartenbaum herabfallende Blätter gezeigt. Die dargestellte Botschaft ist nicht zu übersehen. Ein Schnitt erfolgt im Film und man sieht einen Mann (im Alter zwischen 40 und 50 Jahren) auf seinem Bett und neben seiner Frau aufwachen. Wieder ein Schnitt und die ZuseherInnen befinden sich Unterwasser, sie sehen wie sich die Wellen an der Oberfläche brechen und hören deren dumpfe Geräusche. Ein klares Zeichen für die innere Unruhe, die der Mann mit sich herumschleppt. Eine Kamerafahrt zeigt die Behausung des Mannes. Gerade Linien, weiße Wände und Designermöbel prägen die Gemächer dieses Ehepaares. Ein Einblick auf seine Charakterzüge? Vielleicht hat er immer noch nicht herausgefunden wer oder was er ist. Vielleicht will er auch einfach nicht in dieser Welt verweilen und hält sein Haus deshalb möglichst steril? Fragen über Fragen. Ein weiteres Bild folgt und man sieht einen Dinosaurier über einen Fluss gehen. Ein Indiz dafür, dass der Mann schon langsam älter wird und seine Gebrechlichkeit immer mehr wahrnimmt, aber dennoch gewisse Hürden meistern will. Vielleicht ein Kampf gegen das Alter, gegen das Aussterben. Wie bei dem werten Herr Dino

Solche Bilder definieren diesen Film und tragen die Handlung in der ersten halben Stunde, und immer noch wurden nicht einmal zehn Sätze gesprochen. Der Regisseur hasst seine eigene Stimme offenbar so sehr, dass er nicht einmal die Figuren in seinem Film Dialoge führen lässt. Eine Aussicht auf etwaige Änderungen in der Stilistik ist nicht zu erkennen. UND DAS GANZE DAUERT AUCH NOCH ÜBER ZWEI STUNDEN!!! Kein Wunder, wenn da so mancher Cinephile (Filmefanatiker) den Kinosaal verlässt und sein Geld zurückhaben will. Bildersprache schön und gut, aber es kann mir niemand erzählen, dass dieser Film Ästhetik ausstrahlt, wenn mir alle möglichen Metaphern serviert werden. In Regisseur Terrence Malicks Augen galt dieser Film als Experiment, aber er drückt hier viel zu viel auf die „Ich will jetzt poetisch sein“-Tube und übertreibt damit maßlos. Ich will nicht zwei Stunden lang Metaphern an den Kopf geworfen bekommen, weil er meint, dass dies tiefgründig sei. Ist es nämlich nicht! Hinzukommt, dass, falls er wirklich in jede verdammte Szene eine Botschaft einbringen will, dies mit der Form der Metapher eher ein Missgeschick ist. Denn „Metapher“ definiert sich als ein bildhafter Vergleich für eine bereits existierende Bedeutung, die aber nicht explizit ist, sondern durch und durch subjektiv vom empfangenden Individuum interpretiert werden kann. So denken manche Leute bei der Metapher „schreiende Farben“ vielleicht tatsächlich an einen Eimer blauer Farbe, der gerade von Grün oder Rot abgestochen wird, und nicht an knallbunt gestrichene Hauswände, welche mit Lebhaftigkeit, Kreativität und Lebensfreude, vielleicht sogar Optimismus gedeutet werden können. Sich die Freiheit zu nehmen, Assoziationen der Bildersprache nur in eine Richtung zu lenken und sie dem Zuseher/der Zuseherin aufzudrücken, ist, meiner Meinung nach, etwas zwischen naiv, arrogant und kurzsichtig. Witzig finde ich übrigens, dass der Zuschauer bereits bei dem Kinoplakat (oben zu sehen) davor gewarnt wird, er/sie werde jetzt mit Bildern erdrückt werden.
Sonnenerutpion oder menschliche Eizelle? Bessere 
Frage: Was hat das gezeigte Bild mit Psychostudie,
Poesie oder generel, der Handlung zu tun?

Hinzukommt auch noch die bereits erwähnte Länge des Filmes. Wäre es ein Kurzfilm, würde sich meine Kritik sicher etwas mehr im Zaum halten und meine Ansicht über die Anwendung der Bildersprache in diesem Film sicherlich nicht so negativ ausfallen. Aber boah, zwei Stunden. Ernsthaft? Nicht einmal mit drei Dosen eines x-beliebigen Energydrinks halte ich das durch. Und ganz ehrlich: ich leide lieber, aufgrund von einer Koffeinüberdosis, an einem Herzkaschperl, als mir Tree of Life noch einmal ansehen zu wollen/müssen.

Zu den Darstellern kann ich leider nicht so viel sagen. Brad Pitt, Sean Penn und Jessica Chastain sind zwar auf der Leinwand zu sehen, aber irgendwie auch. Ihre Präsenz als individuelle Figuren oder Schauspieler ist vollkommen belanglos. Da sowieso nur sehr wenig konversiert wird, hätte man genausogut drittklassigere Darsteller engagieren können. Mich zum Beispiel! Das Geld hätte ich gut brauche können. 
Achja: der Soundtrack. Genauso "random", wie die Bilder, die gezeigt werden.

Mein Resümee:
fehlgeschlagenes psychologisches Pseudoporträt - nicht für Unterhaltungskino geeignet - wenn man Masochist ist und sich für Poesie interessiert, kann man sich den Film sogar anschauen. Ich habe auf jeden Fall schon in der ersten halben Stunde zweimal pausieren müssen. Gott segne die Pausefunktion. Vielleicht irre ich mich aber auch und der Film entwickelt sich genau nach der 30.Minute zu einem bombastischen Meisterwerk und sehr sehenswerten Film, genau wie Citizen Kane.

santi

23. November 2011

Hesher

Ja ja, ich weiß. In letzter Zeit sind neue Artikel von mir selten zu lesen. Dies lässt sich auf drei simple, aber dennoch bedeutende Faktoren zurückführen. Erstens: hatte ich einfach keine Ideen für Reviews und keine Zeit, mich in ein Spiel oder einen Film hineinzuvertiefen. Zweitens: hört auf mich zu loben! Dadurch bekomme ich tatsächlich die Angst, meine zukünftigen Texte werden sowieso nicht an das Niveau der vorangegangen herankommen und lasse es deshalb gleich bleiben. Und drittens der wahrscheinlich wichtigste Punkt: meine LE.....wait for it....THARGIE! Ganz genau, liebe Leserinnern und Leser. Die mentale Projektion meiner physischen Existenz definiert sich selber nämlich als Reinkarnation der Faulheitsgötter! Warum diese so unbekannt sind, fragt ihr mich? Einfache Erklärung: Faulheitsgötter sind einfach zu faul, um sich eigene Götzenbilder auszudenken und zu schaffen, oder überhaupt irgendwas in der menschlichen Dimensionsebene zu tun, um auf ihr Vorhandensein aufmerksam zu machen. Nicht etwa so wie der Blutgott Khorne!
So, nachdem ich mir nun irgendeine Einleitung aus den Fingern gesaugt habe und ihr euch vor staunen über meine Absurdität sicherlich kaum noch im Sessel halten wollt, kann ich ja mit dem eigentlichen Artikel beginnen!


Hesher ist ein Filmdrama, das sich um das Leben von TJ (auch oft "Teach" genannt) dreht. Dieser lebt mit seinem arbeitslosen und höchst depressiven Vater und seiner Großmutter zusammen, die auch seine einzigen sozialen Kontakte darstellen. Hinzu kommen auch noch die Tatsachen, dass er seine Mutter vor Kurzem erst bei einem Autounfall verlor und dass er in, sowie auch außerhalb der Schule, von einem Raudi gemobbt und verprügelt wird. Sein Leben ist also nicht ganz einfach. Aus Frust über seinen derzeitigen Lebenszustand schmeißt er, nach einem kleinen Sturz vom Fahrrad, eine Fensterscheibe eines scheinbar unbewohnten Hauses ein. "Scheinbar unbewohnt" stellt sich aber als fatal heraus, da nämlich doch jemand dort wohnte, bzw. hauste. Nämlich die titelgebende Figur Hesher. Dieser ist von Teachs Ausfall gar nicht entzückt, da das zerbrochene Fenster die Polizei anlockt und Hesher sich daraufhin eine neue Bleibe für sein Vagabundenleben suchen darf. Hesher ist nämlich ein Anarchist, Rocker und Freigeist, wie er im Buche steht, und scherrt sich um keinerlei soziale Konsequenzen oder gesellschaftliche Moralvorstellungen. Er zieht von Ort zu Ort und möchte sich eigentlich an niemanden oder etwas sonderlich lange binden. Die einzigen materiellen Güter, die er besitzt, sind seine Kleider, eine Gitarre und ein verbeulter Van. Das Problem einer neuen Herberge ist auch schon prompt gelöst, nistet er sich einfach bei dem Übeltäter ein, welcher sein schönes Fenster zerstörte, Teach! Dieser ist von Heshers Direkt- und Rücksichtlosigkeit so baff, dass er dessen Besetzung der Garage vorerst nicht ganz zu realisieren vermag. Die Großmutter scheint über eine weitere Seele im Haushalt sogar recht enzückt zu sein und sein Vater, depressiv wie er ist, kümmert sich nach einer Stunde schon nicht mehr um den Fremdling. Daraufhin beginnt für die vom Schicksal gebeutelte Familie eine brutale Lehrstunde durch Hesher, der die Probleme stets provokant und simpel ans Tageslicht bringt.

 Joseph-Gordon Levitt als Hesher
...in Unterhose, versteht sich.

Soviel mal zur Story. Zu viel spoilern will ich ja nicht, soll sich der/die LeserIn den Film doch selber anschauen. ;) Dann schreibe ich halt über ein paar andere Aspekte des Filmes, um meinen Artikel jaaaaaaaaa in die Länge ziehen zu können. Muharhar *böses Lachen* 
Zu den Schauspielern sage ich mal, dass sie ALLE grandios ihre Arbeit machen. Außer Natalie Portman. Warum bekam die nochmal nen Oscar?! Wenigstens nicht für ihre Darstellung hier. Rainn Wilson verinnigt die Rolle des niedergeschlagenen, kaputten, depressiven Familienvaters, wie es sonst niemand besser könnte. Devin Brochu als Teach wirkt ebenfalls vollkommen hilfslos in seinem Leben, so hilflos, dass man ihn fast schon anschreien oder knuddeln möchte. Ihnen beiden, Teach (als fiktive Figur) und Devon Brochu (asl der Realdarsteller) scheinen Hesher tatsächlich viel zu upgefuckt zu sein, sodass Devon/Teach echt keine Ahnung hat, wie er mit manchen Situationen umgehen soll. Und ja Hesher... wenn euch Joseph-Gordon Levitt in Inception, GI Joe oder 500 Days of Summer schon gefiel, dann werdet ihr ihn in diesem Streifen lieben! Seine Performanz verdient sogar drei Ausrufezeichen!!! Zwar ist "Hesher" als Drama gedacht und setzt es auch als solches prima um, aber für die Humoristen unter euch wird es auch viele WTF-Momente geben, denn schwarzer Humor ist keine Mangelware. So raucht sich in einer Szene Hesher mit Teachs Großmutter mit Marihuana ein, klettert in Unterhose einen Strommast hoch, um den Pornokanal freizuschalten, und erzählt abenteuerliche Geschichten von Sex, Drugs und Rock'n'Roll. Dagegen ist der Mindfuck in meiner Einleitung das Frühstück und Hesher ist das 5-Gänge-Menü zum Dinner.

Mensch hat zwar den Eindruck, dass der Film nur vor sich hinplätschert, kein konkretes Ziel vor Augen hat und sich eine seltsame Szene an die andere reiht, aber am Ende wird eine klare Moralbotschaft erkennbar. Die Lektion des Lebens, die Hesher Vater und Sohn erteilt, gipfelt schlussendlich im Klimax der Geschichte, an welcher Vater wieder nach Arbeit sucht und seine Depression überwindet, und Sohn an Charakterstärke und Selbstbewusstsein dazugewinnt. Manchmal braucht man halt einen Engel, um aus einer miseren Lage herauszufinden. Und manchmal ist dieser Engel ein kiffender, gewaltbereiter, bizarrer, selbstzerstörerischer und beleidigender Anarchorocker... man weiß halt nie.

santi

31. Oktober 2011

The Binding of Isaac

"Gott sprach zu ihm: Abraham!
Dieser antwortete: Hier bin ich!
Und Gott sprach: Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du liebst, Isaak, geh in das Land Morija und bring ihn dort auf einem der Berge, den ich dir nenne, als Brandopfer dar!
Als sie an den Ort kamen, den ihnen Gott genannt, baute Abraham den Altar, schichtete das Holz, fesselte seinen Sohn Isaak und legte ihn auf den Altar, oben auf das Holz. Schon streckte Abraham seine Hand aus und nahm das Messer, um seinen Sohn zu schlachten."
(Genesis 22,1-3; 22,9-10)
Ach Vaterliebe!*seufz*
Obwohl die Bibel zwar eine poetisch recht interessante und anspruchsvolle Lektüre ist, bin ich nicht religiös geworden, falls ihr das von mir denkt. Tatsächlich las ich die oben genannten Zeilen nur wieder einmal (ja, ich habe die fünf Bücher des Moses schon einmal gelesen gehabt...), um mich auf das Spiel The Binding of Isaac vorzubereiten. Dieser Titel baut nämlich grob auf der hebräischen Geschichte der Opferung Isaaks auf. Dessen Vater Abraham erhielt von Gott den Auftrag, seinen ihm liebsten Sohn als Geschenk zu opfern, um seine Treue zu beweisen, was im letzten Moment aber durch einen himmlischen Engel vereitelt wurde. 


Wie sehr ich ausgefallene Ideen für Computerspiele liebe, habt ihr sicherlich schon gemerkt. Und bei diesem Grundgerüst kann man nur geil darauf sein, sowas zu spielen. In The Binding of Isaac passiert genau dasselbe wie in dem biblischen Psalm: Mutter bekommt den Befehl von Gott, den einzigen Sohn zu ermorden, was sie promp, ambitioniert und mit einem gewissen Fanatismus auch gerne auszuführen versucht. Isaac jedoch flüchtet in den Keller, wo das Spiel auch schon beginnt.

Ohne nähere Erklärung des Spielzieles oder des Gameplays (Das einzige, was einem bei Spielstart gezeigt wird, sind die Tasten, mit denen man sich fortbewegt und feuert), findet Isaac dort unten nun riesige, kryptenartige Gewölbe vor, die es in Arcadesytle zu erkunden gilt. "Erkundung", an dieser Stelle, ist leider zweideutig zu verstehen, da jeder Dungeon neu zufallsgeneriert wird, sollte ein Level wiederholt werden müssen. Und als ob es nicht schon schlimm genug wäre, dass einem die eigene Mutter mit einem Hackemesser an die Nudel will, gilt es sich dort unten auch gegen allerlei komisches Gesocks zu behaupten. Hauptfokus des Spieles ist es nämlich, seltsam aussehende Kreaturen mit, nunja, so lächerlich es aus klingen mag, Luftbläschen abzuschießen. Vielleicht sollen diese Geschosse auch etwas vollkommen anderes darstellen, aber ich wüsste nicht was. Wattebällchen wären auch eine nette Option gewesen. Die Entwickler erklären, dass die Gegner, bereits in der Vergangenheit hingerichtete, Schwestern und Brüder sind. Aber der Großteil der Gegnertypen sind, meiner Meinung nach, einfach nur als ein Mischmasch aus verschiedenen, verfaulten, verstümmelten, abgefallenen und wieder aneinandergenähten Körperteilen zu identifizieren und definieren. Welches Monster nun wie getauft wird, bleibt jedem selber überlassen. Für mich gabs auf jeden Fall nur Zombieviecher, Fliegeviecher, Kriechviecher, WTF-was-bist-du?-viecher, Mutantenviecher, Hüpfeviecher, und so weiter. Trotzdem gehörten sie alle unabdingbar der Spezies Viech an. Der comikhafte Grafikstil und die 2D-Vogelperspektive liesen aber wahrscheinlich nicht sonderlich viel Raum für gut ausgearbeitete Animationen und Detailreichtum der Texturen über.

Rechts unten: Isaac
Überall anders: ach, was weiß ich, was das für Viecher sein sollen.
 Ganz oben: Dungeonübersicht, Items & Waffen, Gesundheitsanzeige


Gegen die "gefallenen Schwestern und Brüder" geht man übrigens am Besten wie folgt vor: RÜCKWÄRTS WEGRENNEN UND SCHUSSTASTE VERGEWALTIGEN. Beste Taktik ever... und so NEU! Nicht einmal die Zwischenbosse zeigen eine erkennbare KI auf und laufen vollkommen willkürlich durch die Arena. Als Belohnung für einen bestandenen Kampf oder die aufkeimende Neugierde, einen Dungeon zu durchforsten, liefert das Spiel nette Gadgets, wie Extralebensbalken, Mehrfachschuss, Spezialattacken oder eine aufgedeckte Karte. Sollte man aber sterben, darf man gaaaaaaanz von vorne anfangen. Die gefundenen Items bzw. das nicht-kontrollierbare Hochleveln des Charakteres (Stärke, Reichweite, blablabla, ist in dem Spiel eigentlich nicht wichtig) gehen verloren und Erfahrung bezüglich der Gegnertypen und Dungeonstruktur sind nonexistent, dank der Zufallsgenerierung, welche übrigens auch für die Monster gilt. Und man wird oft sterben, sag ich euch!

Hier startet mein supreme Flame auch schon!
Warum soll ich ein Spiel spielen, in welchem es keinen Fortschritt gibt?! Ich krepiere in Dungeon 5 und darf ohne meine gefundenen Hilfsmittel alles von vorne machen? Oder habe ich irgendwo einen Checkpoint verpasst? Eine Beschreibung, was zur Hölle gerade abgeht, wäre vielleicht hilfreich gewesen. Da habe ich ja mehr Spaß, wenn ich mein Geld die Toilette runterspüle...und da habe ich sogar 3D-Effekte! Hinzukommen auch noch lächerliche Prozessoranforderungen. Das Spiel ist nur 50 Megabyte groß, die Grafik ist nicht gerade anspruchsvoll, aber will dann einen 2.8 Gigahertz Prozessor?! Wie oft ich bei einem Endboss gegen eine Wand gerannt bin, weil mein Kern das zu lange Halten der linken Richtungstaste nicht mehr berechnen konnte. Also so eine schlechte Programmierung habe ich echt schon lange nicht mehr gesehen. Für so ein umfangloses Spiel (rumrennen, schießen, sterben, wiederholen) ist nun echt keine High-end-Engine notwendig und um ehrlich zu sein, kam ich mir richtig verarscht vor, was die Entwickler dem Spieler/der Spielerin als Gameplay unter die Nase reiben wollen. Zwar ist es nachvollziehbar, wenn Leute, speziell in Titeln mit Rollenspielaspekten, einen Sammeltrieb stillen wollen, aber hier kann sich dieser einfach nicht entwickeln, da man immer von vorne anfangen darf. Die Tatsache, dass man zwei weitere Charaktere freischalten kann, lassen das Spiel leider nicht besser darstehen. ...und wo zum Kuckuck ist die Mythologie aus der Vorlage abgeblieben?! >.< Warum The Binding of Isaac auf so vielen Spielemagazinseite und in Zockerforen gehyped wird und positiv wegkommt, verstehe ich nun wirklich nicht.

Nach sechs Anläufen, einer Menge Frust und insgesamt nur zwei Stunden Spielzeit, habe ich bei dem Spiel mit einer orgasmischen Befriedigung die Deinstallation durchgeführt. Und wenn jetzt jemand kommt mit: "Was, nur zwei Stunden gespielt und du wagst es, eine Kritik zu verfassen??", dem antworte ich: "F**k You! Meine Effizienz ist sich zumindest dem Unterschied zwischen Zeitvertreib und -verschwendung bewusst!" Da brauche ich nicht einmal das Wort eines himmlischen Engels, um das zu erkennen. Ich jedenfalls habe mir wesentlich mehr von The Binding of Isaac erwartet und rate jedem, der sein Geld loswerden will, es zu spenden oder einfach wörtlich aus dem Fenster zu schmeißen. Ich gehe es jetzt auf jeden Fall lachend verbrennen...

santi